

Im anschließenden Gespräch wurden folgende Themen besprochen:
Vergleichbarkeit der Schul- und Hochschulsysteme über die Landesgrenzen
Insbesondere wurde hier die Vergleichbarkeit der Abschlüsse diskutiert. Die Kultusministerin erklärte, dass die Bachelor- und Masterabschlüsse der Hochschulabsolventen formal vergleichbar sind, es aber keine völlig inhaltliche Gleichheit gibt. Diese besteht auch nicht zwischen den Hochschulen im selben Bundesland. Auf Beschluss der Kultusministerkonferenz werden Standards entwickelt, die in Zukunft die Schulabschlüsse vergleichbarer machen. Für ein länderübergreifendes Abitur gibt es kleine Fortschritte.
Wir informieren darüber, dass die Konferenz der Landesfrauenräte 2010 sich mehrheitlich darauf verständigt hat, den Föderalismus im Bildungssystem abzuschaffen.
Berufsorientierung für SchülerInnen
Wir führen an, dass Unternehmen oft den Zugang zur Schule nicht bekommen, da die Strukturen blockieren und sie keine oder nur erschwert eine Kontaktperson finden.
Die Kultusministerin sieht hier allerdings viele Möglichkeiten. Eine davon ist das Projekt „BRAFO – Berufswahl Richtig Angehen. Frühzeitig Orientieren“. Um dieses besser zu verankern, ist eine ihrer Ideen, in jeder Sekundarschule Kontaktpersonen für Unternehmen für BRAFO festzulegen.
Weiterhin sieht sie sehr viel Potential im Produktiven Lernen oder in der Einbeziehung von externen pädagogischen Kräften für zusätzliche Angebote, die das Lehrpersonal aufgrund ihrer Qualifikation nicht leisten kann und soll.
Wir verweisen auf die Möglichkeit, dass Unternehmen Patenklassen übernehmen, um so zeitig wie möglich eine Verbindung zwischen Unternehmertum und Schule herzustellen.
Weiterhin mahnen wir an, dass die Struktur des Zukunftstages in Sachsen-Anhalt, die eigentliche Idee des Girls‘Days – Mädchen für andere Berufszweige zu öffnen – untergehen lässt.
Existenzgründung als Thema in Schulen
Die Kultusministerin sieht schon viele Ansatzpunkte in den Schulen. Projekte wie Gründerkids sind regional in den Schulen präsent und die Berufsbildenden Schulen erstellen im Unterricht Business-Pläne mit den SchülerInnen. Allerdings gibt es solche Projekte bislang nicht an allen Schulen.
Schule als ganzheitlicher Lernort für alle Kinder
Wir vermitteln die Wahrnehmung, dass das Lehrpersonal zu wenig Zusatzangebote für SchülerInnen vorhält und zusätzliche pädagogische MitarbeiterInnen fehlen. Wir sehen hier das Problem, dass soziale Probleme der SchülerInnen nur noch wenig Berücksichtigung im Schulalltag finden und Zusatzangebote für Kinder und Jugendliche vom Elternhaus selbst organisiert werden müssen.
Die Kultusministerin sieht Schule nicht nur als ein Tätigkeitsfeld von Lehrenden, sondern durchaus auch von SozialarbeiterInnen u.v.a. Unter Einbeziehung von zusätzlichen MitarbeiterInnen aus verschiedensten Bereichen, sieht sie eine gezielte Aufarbeitung von Problemen der Kinder und Jugendlichen. Schwierig ist natürlich die Finanzierung von zusätzlichen Kräften. Für eine hochwertige Nachmittagsbetreuung kann die Schule auch Kooperationen mit Vereinen vor Ort eingehen.
Aus unserer Sicht, bleiben allerdings die räumlichen Bedingungen der Schulen zu klären.
Frauen in Leitungspositionen im Bildungsbereich
Wir bemängeln, dass weiterhin wenige Frauen in den Führungspositionen im Bildungsbereich vertreten sind, so sind beispielsweise keine 20% der Professuren mit Frauen besetzt. Der Kultusministerin ist dieser Mangel durchaus bewusst, aber verweist auch auf Erfolge in der Hochschullandschaft. So ist das Rektorat der Kunsthochschule Halle mehrheitlich mit drei Frauen besetzt. Auch dem Rektorat der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gehören zwei Frauen an.
Gender Statisik
Wir sehen trotz vieler Verbesserungen im Rahmen statistischer Erhebungen noch deutliche Defizite. So ist nicht nachvollziehbar, wie Mädchen oder Jungen bei Prüfungen, z.B. in naturwissenschaftlichen Fächern, abschneiden. Die Gleichstellungsbeauftragte des Kultusministeriums informiert, dass das Problem im Haus im Datenschutz gesehen wird.
Gewalt an Schulen
Wir fragen nach, wie die Kultusministerin mit dem Thema Gewalt an Schulen umgeht und eine Möglichkeit der Integration des Themas in den Schulalltag sieht.
Die Kultusministerin benennt viele regionale Projekte in den Schulen und Fortbildungsmaßnahmen des Landesinstituts für Lehrerbildung. Auch hier hängt die Einbindung des Themas letztlich am Engagement der Schule. Sie lobt, dass immer mehr Schulen, zusätzliche Angebote vorhalten.
Das Fazit der Kultusministerin Prof. Dr. Birgitta Wolff: „Um Reformen im Bildungsbereich durchzusetzen, müssen acht bis zehn Jahre eingeplant werden, aber steter Tropfen höhlt den Stein.“
Abschließend bedanken wir uns für das offene Gespräch und bieten der Kultusministerin die Fördermitgliedschaft im Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. an.