Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn das Recht einer jungen Frau auf Unversehrtheit wirklich ernst genommen würde, gäbe es Selbstverteidigung für Frauen als Schulfach. Stattdessen lernen wir nach wie vor Anpassung.
* Luisa Francia
28.02.2018

100 Jahre Frauenwahlrecht - Auftakt und Ausblick

Steffi Schikor

Magdeburg. Unter dem Motto "100 Jahre Frauenwahlrecht" fand heute die gemeinsame Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung und der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Magdeburg statt. Damit ist dies ein erster Auftakt für eine Reihe von Veranstaltungen zum Jubiläum 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland 2018 und 2019.

Der Einladung waren mehr als 80 Frauen und auch einige Männer gefolgt. Vor 100 Jahren (am 30. November 2018) trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. 300 Frauen kandidierten für die verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung. 37 Frauen schafften den Einzug in die Nationalversammlung.

Frauentag 2018

Mit diesem historischen Hintergrund beleuchtete Ministerin Keding in ihrem Grußwort die heutige Repräsentanz von Frauen im Landtag von Sachsen-Anhalt - mit dem Fazit, dass mit knapp 22 Prozent hier deutlich Luft nach oben ist. Frau Keding stellte weiterhin fest, dass die Wahlbeteiligung 1919 bei den Frauen bei 80 Prozent lag. Ein Wert der für heutige Wahlen wünschenswert ist.

Auch Gabriele Brakebusch, Landtagspräsidentin des Landtages von Sachsen-Anhalt, stellte in ihrem Grußwort klar raus, dass ihr immer mehr die Einführung einer Quote in bestimmten Bereichen (u.a. in der Politik) für erforderlich hält. "Offensichtlich braucht es die Quote um tatsächlich voran zu kommen" brachte sie es auf den Punkt und machte damit deutlich, dass nach ihren gesammelten politischen Erfahrungen es eben nicht ausreicht, wenn Frau genau so gut qualifiziert ist um Berücksichtigung im politischen Kontext zu finden. 

Eva von Angern

Eva von Angern, Vorsitzende des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt e.V., stellte in ihrem Grußwort noch einmal die Bedeutung von Vereinen und Verbänden für politische Frauenarbeit damals wie heute in den Fokus. Sie bündeln die Kräfte von Frauen und setzen entscheidende innovative Impulse in Politik und Gesellschaft. "Vor allem in Zeiten, in den Populisten und völkisch Denkende die Deutungshoheit über Gleichstellung und deren Wertigkeit für sich beanspruchen - braucht es Solidarität und starke Bündnisse", so von Angern.

In ihrem kämpferischen Grußwort forderte Eva von Angern "Heraus mit einem Paritätsgesetz" analog der Forderung der Frauen vor 100 Jahren "Heraus mit dem Wahlrecht!". Ein Fazit ihrer Begrüßung war, dass Wahlrecht und viele andere frauenpolitische und demokratische Errungschaften sind keine Geschenke und es bleibt eine Herausforderung diese Grundrechte zu verteidigen.

Dr. Uta Kletzing (eaf)
Den Vormittag rundete der Fachvortrag von Dr. Uta Kletzing (eaf Berlin) zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht ab. Frau Dr. Kletzing stellte die aktuelle Bundeskampagne 100 Jahre Frauenwahlrecht - Mit Recht und Courage vor, welche am 08. März offiziell gestartet wird. Sie führte weiter aus, welche Aufgaben die eaf mit dem Handlungsfeld Frauen in politischer Verantwortung verbindet. Eine Frage in ihrem spannenden Impuls lautete: Wie schaffen wir es, dass Parteien Frauen auf entsprechende (und paritätisch verteilt) Listeplätze wählen? Denn nachweislich steht der gesunke Frauenanteil im Bundestag und auch in einigen Landtagen im direkten Zusammenhang mit dem Erstarken von Parteien ohne Quotenregelungen und Quoren.

Am Nachmittag trafen sich die Teilnehmerinnen dann in kleinen Arbeitsgruppen um zu den Menschenrechte, ihre Bedeutung (vor allem für Frauen) und offenen Fragen zu arbeiten. Unter anderem ging es um das Recht zu wählen, das Recht auf Eheschließung, das Recht auf Arbeit, das Recht auf freie Meinungsäußerung oder auch das Recht auf Nichdiskriminierung. Im Ergebnis dieser intensiven gemeinsamen Arbeit wurden aus jeder Gruppe drei Handlungsfelder benannt, welche als Auftrag an die Landesregierung an Frau Dr. Blumtritt, Landesbeauftragte für Frauen- und Gleichstellungspolitik, übergeben.

Frau Dr. Blumtritt nahm diese gern als Anregung an und bedankte sich für die offene und konstruktive Diskussion. Zum Abschluss der Veranstaltung betonte Frau Dr. Blumtritt, dass das Gleichstellungsministerium den klaren Auftrag der Koalitionsvereinbarung in puncto Gleichstellung mit Nachdruck verfolgen wird und dankt den Anwesenden für die Unterstützung auf diesem Weg. 

Text und Fotos: Daniela Suchantke

Frauentag 2018
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