Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir sind Frauenstarkmacherinnen! Und das bedingt, dass man Wahrheiten laut und provokativ sagt.
* Monika Hauser
07.03.2011

100 Jahre Internationaler Frauentag und noch nicht am Ziel!

Am 19. März 1911 gingen mehr als eine Million Frauen weltweit auf die Straße. Ihre zentrale politische Forderung war das freie, geheime und gleiche Wahlrecht für Frauen. Clara Zetkin schrieb nach diesem ersten internationalen Frauentag: “Das war die wuchtigste Demonstration für die Gleichberechtigung der Frau, die die Welt bis jetzt gesehen hat.” In den folgenden Jahren schlossen sich immer mehr Frauen in immer mehr Ländern diesen Demonstrationen an. Sieben Jahre später, nach Ende des Ersten Weltkrieges, erhielten die Frauen in Deutschland das Wahlrecht. 1977 wurde der 8. März von der Vollversammlung der UN offiziell zum “Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden” benannt.

Seit dem ersten internationalen Frauentag vor einhundert Jahren haben die Frauen weltweit und auch in Deutschland Vieles erkämpft: Frauenwahlrecht, Gleichstellungsartikel im Grundgesetz, Liberalisierung des Abtreibungsrechts, Gleichstellung als Staatsziel in der Landesverfassung u.v.m.

Aber die Lebenswelt von Frauen sieht noch immer anders aus. Noch immer geht es um die Verwirklichung der Chancengleichheit, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und an politischen Entscheidungsprozessen sowie gesellschaftlichen Ressourcen. In Deutschland verdienen Frauen bis zu 23 Prozent weniger als Männer. Viele von ihnen bemühen sich täglich um eine Balance zwischen Familie und Beruf. Und vielen Frauen wird ein beruflicher Aufstieg verwehrt.

In Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen fünf Jahre keine frauenpolitischen Fortschritte erzielt. Seit Jahren versäumt es die Landesregierung die Stelle der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten entsprechend zu besetzen. Ein jahrelang geplantes Konzept zur Entwicklung eines geschlechtergerechten Sachsen-Anhalts liegt nicht vor. Der siebente Bericht zur Umsetzung des Frauenfördergesetzes zeigt, dass Frauen in der öffentlichen Verwaltung in Leitungspositionen faktisch nicht vorhanden sind (Abteilungsleitung: 6 Frauen 53 Männer; Referatsleitung: 74 Frauen, 224 Männer). Und die Wahlprogramme 2011: Sie geben diesbezüglich keine Lösungsvorschläge vor. So dient öffentliche Verwaltung nicht als Beispiel für die Wirtschaft die Frauenquote einzuführen. Gut ausgebildete und motivierte Frauen haben in Sachsen-Anhalt leider weiterhin weniger Chancen als Männer.

Daher fordert der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. anlässlich 100 Jahre Internationaler Frauentag gemeinsam mit den anderen Landesfrauenräten:

  • Die Eigenständige Existenzsicherung für alle Frauen, denn sie ist Basis für ein gleichberechtigtes Zusammenleben.
  • Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, denn deutschlandweit existiert ein Entgeltunterschied von 23 %.
  • Mindestens 40% Frauenquote für alle Gremien, da deren Ergebnisse und Auswirkungen die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern gestalten.
  • Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, da wir eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt brauchen. Dazu gehört auch der Zugang zu qualifizierten Arbeitsplätzen und Führungspositionen.
  • Familienförderung statt Ehegattensplitting, denn Steuervergünstigungen sollten Familien zugutekommen.
  • Der Schutz und die Hilfe für Opfer von Gewalt muss gesetzlich sichergestellt werden, denn ein kostenfreier und sicherer Zugang zu Hilfe- und Unterstützungseinrichtungen für Frauen darf nicht an der Freiwilligkeit der Politik hängen.
  • Die geschlechtergerechte Verteilung aller öffentlichen Mittel, denn nur so schaffen wir Transparenz und können gezielt beide Geschlechter gerecht fördern.

Von der neuen Regierungskonstellation in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl erwartet der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. hinzu:

  • Ein Konzept zur Herstellung eines geschlechtergerechten Sachsen-Anhalts.
  • Die Besetzung der Landesbeauftragten für Gleichstellung und Frauenpolitik mit höchster Anbindung.
  • Die Fortsetzung und Forcierung der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder auf der Grundlage eines zu erarbeitenden zweiten Landesprogramms unter Einsetzung eines Begleitgremiums.

Die Frauen in diesem Land fordert der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. auf am 20.03.2011 zur Wahl zugehen und ihre Interessen entsprechend zu vertreten. Frauenpolitische Entscheidungsunterstützung erhalten Sie auf der Internetseite des Verbandes (www.landesfrauenrat-sachsen-anhalt.de).

Kontakt:
Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V.
Große Diesdorfer Straße 12
39108 Magdeburg
Tel.: 0391-7317337
E-Mail: geschaeftsstelle@landesfrauenrat.de
Ansprechpartnerin: Manuela Knabe-Ostheeren

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