Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir sind Frauenstarkmacherinnen! Und das bedingt, dass man Wahrheiten laut und provokativ sagt.
* Monika Hauser
26.03.2014

ai Menschenrechtspreis: Unerschrocken und eloquent gegen Homophobie

Der 7. Menschenrechtspreis von Amnesty Deutschland geht an Alice Nkom. Die Rechtsanwältin aus Kamerun wurde am 18. März in Berlin für ihr herausragendes Engagement für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LGBTI) in ihrer Heimat geehrt.

Alice Nkom gründete 2003 die „Association pour la Défense des Droits Homosexuel(le)s“ (ADEFHO), die als erste NGO in Kamerun LGTBI medizinische, psychologische und rechtliche Beratungen sowie Sicherheitstrainings anbietet. Die 69-jährige Aktivistin vertritt außerdem als Teilhaberin einer in Douala ansässigen Gemeinschaftskanzlei verstärkt seit 2006 LGBTI vor Gericht. Seitdem erhält sie Morddrohungen von fundamentalistischen Landsleuten, und hochrangige Regierungsmitglieder drohen ihr mit Verhaftung.

Homosexualität gilt in 36 afrikanischen Staaten als Straftat
In Kamerun gelten homosexuelle Handlungen als Straftat: Lediglich der Verdacht genügt, um hohe Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Gefängnis zu verhängen. Die Regierung fördert aktiv die die systematische Denunziation, Verfolgung und Verstoßung von LGBTI. Damit steht Kamerun in Afrika nicht allein. In insgesamt 36 Ländern des Kontinents wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt. Erst vor wenigen Wochen trat in Uganda ein neues Gesetz in Kraft, mit dem „schwere homosexuelle Handlungen“ mit bis zu lebenslanger Haft bestraft werden können.

Pionierin für eine unbestechliche Justiz
Alice Nkom, die als erste Frau in Kamerun eine Zulassung als Anwältin bekam, stellt sich unerschrocken und eloquent gegen diese und andere Menschenrechtsverletzungen. Sie setzte sich bereits früher für politische Gefangene, Straßenkinder und benachteiligte Frauen ein, gründete „Lady Justice“, ein Projekt, das die Rechte der Frau stärken soll, und RISJI, ein internationales Netzwerk zur Unterstützung unbestechlicher RichterInnen.

Nkom: Homophobie ist Apartheid
Auf einer gemeinsamen Veranstaltung von Brot für die Welt und dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) am 17. März in Berlin wandte sich die streitbare Juristin auch gegen das in Afrika viel verbreitete Argument, Homosexualität sei unafrikanisch und ein Import aus dem dekadenten Westen. „Bekanntlich stammt die Menschheit aus Afrika, daher kommt auch die Homosexualität von dort”, sagte Nkom und verglich die Homophonie mit dem System der Apartheid.

Buls gratuliert Nkom
Der Deutsche Frauenrat gratulierte der Preisträgerin “für die grundlegende Anerkennung, die Ihnen als mutige und unermüdliche Kämpferin für die universellen Menschenrechte zuteil wird”, wie die Vorsitzende der Frauenlobby, Hannelore Buls, in ihrem Brief an Alice Nkom schrieb.

AutorIn: Louisa Wolf/Ulrike Helwerth
Erstellt am: Dienstag 18. März 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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