Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Man kann die Menschen nur richtig verstehen, wenn man sie liebt.
* Rosa Luxemburg
14.03.2012

Arbeit der gleichstellungspolitischen Projekte in Gefahr?

Einmal zerstörte Strukturen sind meist für immer verloren. Mit Sicherheit aber nimmt das Verständnis engagierter Frauen und Mädchen für demokratische Kultur in Sachsen-Anhalt Schaden, wenn sie erleben müssen, wie mühevoll geschaffene bürgerschaftliche Strukturen durch ein Verwaltungshandeln zerstört werden. Im Raum Halle sind rund 2/3 der Ehrenamtlichen, die die Freiwilligen Agentur vermittelt und berät, weiblich. Viele von Ihnen engagieren sich in diesen kleinen aber qualitativ sehr gut und transparent arbeitenden Projekten.

Aktuell wird behauptet, Gleichstellungspolitik sei nicht mehr notwendig, da Gleichberechtigung bereits erreicht sei. Und das obwohl die Fakten dagegen sprechen: Zum Beispiel verdienen Frauen in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger als Männer und sind in Führungspositionen und in politischen Strukturen immer noch unterrepräsentiert.

Nächste Woche finden auch in Halle wieder zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen anlässlich des Internationalen Frauentages statt. An diesem Tag werden interessierten Bürgern und Bürgerinnen Möglichkeiten angeboten, sich über die Projekte zu informieren und einen Eindruck zur geleisteten Arbeit zu verschaffen.

Zur Ihrer Information:

In den zurückliegenden Jahren wurden in den verbliebenen frauenpolitischen und gleichstellungspolitischen Strukturen in Halle in unzähligen Stunden haupt- und ehrenamtlicher Arbeit unverzichtbare Angebote für Frauen (und auch Männer) geschaffen und wichtige gleichstellungspolitische Arbeit geleistet.
Die Zentren/ Beratungsstellen sind Orte der Begegnung, Information und Diskussion, in denen tagtäglich auf zahlreichen Ebenen Engagement für die Belange von Frauen aller Altersgruppen und sozialer Schichten, verschiedener Ethnien und Religionszugehörigkeiten sowie sexueller Orientierung gelebt wird.
Die Frauenzentren sind Treffpunkte unterschiedlicher Interessensgruppen und Vereinigungen sowie Orte von Gewaltprävention.

Leidtragende dieser Politik, die zu Verunsicherung und PlanungsACunfähigkeit in den Einrichtungen führt, sind in erster Linie jene Mädchen und Frauen, die diese Angebote nutzen und die niedrigschwellige und parteiliche Arbeit der Frauenzentren als einen Schutz- und Freiraum bei der Bewältigung ihrer Alltagsprobleme brauchen.

Für die Vereine als Träger gleichstellungspolitischer Projekte könnten aus der abrupten Schließung der Einrichtungen weitreichende Folgeprobleme entstehen. Müssten die Frauenzentren z.B. Räumlichkeiten kündigen, würden Mehrkosten auf die Vereine zukommen, die zur Insolvenz der zumeist finanziell relativ schwachen Vereine führen können.

Auch uns ist die aktuelle Haushaltslage der Kommune mehr als bewusst. Deshalb arbeiten wir seit Jahren mit hochqualifiziertem Personal, dessen Lohn seit 2004 keine Tarifanpassung oder Lohnerhöhung erfahren hat und bemühen uns ständig um Kostenregulierung. Es werden alle monatlichen Ausgaben auf die absolute Notwendigkeit überprüft und die Gelegenheit Drittmittel zu erwirtschaften im größt möglichen Umfang ausgeschöpft. Alle Kosten (Betriebsausgaben, Büromittel, Dienstleistungen) sind in den letzten Jahren gestiegen die Fördermittel der Träger sind gleich geblieben bzw. gekürzt worden. Dies bedeutet das Träger eigene Mittel erwirtschaften müssen. Nur: Wo der Mensch im Mittelpunkt steht, lassen sich Leistung, Effektivität und Rentabilität sehr schwer messen.

gez. Vorstand Dornrosa e.V.
Projektkoordinatorin Frauenzentrum Weiberwirtschaft

nach oben