Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.
* Marie von Ebner-Eschenbach
12.05.2014

Arbeitsmarkt: Immer mehr Frauen mit befristeten Arbeitsverträgen

Befristete Arbeitsverträge erschweren die Lebensplanung und sind mit einer unsicheren Berufsperspektive verbunden. Dass Frauen zunehmend und weitaus häufiger von Befristungen betroffen sind als Männer, zeigt eine Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.

Bezogen auf die Gesamtwirtschaft lag der Anteil der befristeten Beschäftigung bei 7,5 Prozent. Insgesamt ist eine Zunahme der befristeten Beschäftigung in den vergangenen zwanzig Jahren zu verzeichnen. So stiegen die befristeten Arbeitsverträge 876.000 im Jahr 1993 auf 2.734.000 (2013). Damit hat sich der Anteil der befristeten Verträge an allen Verträgen (nicht sozialversicherungspflichtige und geringfügige Beschäftigung eingerechnet) in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt.

Fast 9 Prozent der beschäftigten Frauen arbeiten auf Zeit
Mehr als verdoppelt hat sich auch der Anteil von Frauen mit befristeten Verträgen: Waren im Jahr 1993 nur 3,9 Prozent befristet angestellt, sind es im Jahr 2013 schon 8,8 Prozent der weiblichen Beschäftigten. Doch auch immer mehr Männer haben einen Zeitvertrag, wenn auch von einem insgesamt niedrigeren Niveau ausgehend: Inzwischen sind 6,3 Prozent aller beschäftigten Männer (1993: 2,3%) nur auf Zeit beschäftigt.

Fast die Hälfte der neu eingestellten Frauen sind zeitlich befristet
Die Regierungsantwort zeigt auch: Besonders zu Beginn eines Beschäftigungsverhältnisses greifen Arbeitgeber auf befristete Verträge zurück. 42 Prozent der Neueinstellungen sind befristet – allerdings ist der Anteil der Befristungen laut Regierung seit 2009 (47%) sukzessive rückläufig. Auch bei den Neueinstellungen scheinen Frauen den Kürzeren zu ziehen: Während 47 Prozent der neu beschäftigten Frauen zeitlich befristet eingestellt wurden, liegt die Männerquote bei 38 Prozent an allen Neueinstellungen von Männern.

Mehr Frauen werden aus befristeter Beschäftigung übernommen als Männer
Die Bundesregierung betont jedoch, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse nicht automatisch prekär seien und verwies auf die Übernahmequote aus befristeter Beschäftigung, die 2013 bei 37 Prozent lag. Tatsächlich werden Frauen häufiger aus befristeten Arbeitsverhältnissen übernommen als Männer. Von allen Übernahmen – also jenen von Männern und von Frauen – stellen Frauen 55 Prozent, Männer dagegen nur 45 Prozent.

Bundesregierung will sachgrundlose Befristung nicht abschaffen
Auf die Frage der Linksfraktion, wie die Regierung die Auswirkungen der sachgrundlosen befristeten Beschäftigung auf die Qualität der Arbeit einstufe, antwortet diese: „Die Qualität von Arbeit hat unterschiedliche volks-, betriebswirtschaftliche und arbeitswissenschaftliche Dimensionen. Daher können die Auswirkungen der Möglichkeit zur Befristung von Arbeitsverträgen ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes auf die Qualität von Arbeit nicht pauschal bewertet werden.“ Klar stellt die Bundesregierung in ihrer Antwort zudem, die Möglichkeit einer sachgrundlosen Befristung nicht abschaffen zu wollen.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 28. April 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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