Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Jene Gleichberechtigung ist unentbehrliche Voraussetzung, aber nicht das Ziel.
* Lida Gustava Heynemann
19.11.2011

Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männer stärker berücksichtigen

Anlässlich der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes zur Erwerbstätigkeit im 3. Quartal rät die Geschäftsstelle Gleichstellungsbericht der Fraunhofer-Gesellschaft die Erwerbstätigenzahlen kritisch zu sehen und die Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern stärker zu berücksichtigen.

Die Erwerbstätigkeit entwickelt sich weiter positiv. Die Vorsitzende der Sachverständigenkommission für den Ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung gibt jedoch zu bedenken: “Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Es reicht nicht sich die Erwerbstätigenquote von Frauen und Männern anzuschauen. Viel wichtiger ist der Blick auf die sogenannten Vollzeitäquivalente. Denn immer mehr Frauen teilen sich das gleiche Arbeitsvolumen. Zurzeit haben wir in Deutschland über 7 Mio. Minijobber, zwei Drittel davon Frauen.” Prof. Dr. Ute Klammer, die auch Prorektorin für Diversity an der Universität Duisburg-Essen ist, führt weiter aus: “Frauen sind mehr als doppelt so häufig von Niedriglöhnen betroffen. Niedriglöhner sind Personen, die weniger als zwei Drittel des sogenannten 'mittleren' Einkommens verdienen. In Deutschland erhalten etwa 30 Prozent der erwerbstätigen Frauen nur Niedriglöhne, was oft, aber nicht immer, mit Geringfügigkeit gekoppelt ist. Da viele der betroffenen Bereiche tarifvertraglich nicht oder nur noch schlecht zu erreichen sind, ist eine Verbesserung der Einkommenssituation kaum ohne gesetzliche Mindestlöhne zu erreichen.” Zudem ist zu beachten: “Fragt man Männer und Frauen nach ihren Arbeitszeitwünschen, dann sieht man: Sie liegen sehr viel näher aneinander, als es eben tatsächlich in der Realität der Fall ist. Viele Frauen würden gerne lange Teilzeit oder kurze Vollzeit, d.h. 30 Stunden die Woche, arbeiten. Viele Männer dagegen würden gerne weniger arbeiten, ungefähr einen Vollzeitjob, aber ohne Überstunden. Dies lässt sich allerdings zumeist nicht realisieren. Stattdessen klaffen Arbeitszeitwünsche und Realität bei uns weit auseinander”. So ist auch bei einer weiteren positiven Entwicklung der Erwerbstätigkeit weiterhin viel zu tun, um Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt zu erreichen.

zur vollständigen Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft

zur Pressemitteilung des DESTATIS

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