Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.
* Marie von Ebner-Eschenbach
15.12.2012

Bericht zur Fachtagung "Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung" am 26.11.2012

Am 26.11.2012 veranstaltete der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. in Kooperation mit dem landesweiten Netzwerk gegen Gewalt, der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und den sozial-/ behindertenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen eine Fachtagung mit dem Schwerpunkt Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Vorsitzende des Landesfrauenrates, Eva von Angern. Sie zeigte sich betroffen angesichts der in der Studie zur Gewaltbetroffenheit von Frauen und Mädchen veröffentlichten sehr hohen Fallzahlen. Sie machte deutlich, dass der Landesfrauenrat die Situation von Frauen und Mädchen mit Behinderung aber auch die Situation der Gewaltschutzeinrichtungen in Sachsen-Anhalt fest im Blick hat. Er wird sich auch weiterhin für den Erhalt von Schutz- und Beratungseinrichtungen einsetzen und auch den Opfern von Gewalt als Interessensvertretung eine Stimme geben.

Frau Prof. Kolb, Ministerin für Justiz und Gleichstellung, betonte ihrerseits, dass es bereits gute Ansätze für Angebote für Frauen und Mädchen mit Behinderung im Land gäbe. Diese müssten wieder vermehrt eingesetzt und natürlich mit neuen Maßnahmen ergänzt werden. Sie mahnte an, dass es Schulungen zur Gewaltprävention in Einrichtungen (auch staatlichen) geben muss. Sie appellierte auch an den solidarischen Nachbarschaftsgedanken.

 Herr Maerevoet, Landesbehindertenbeauftragter, wies die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf die umfassenden Tabus im Umgang mit Menschen mit Behinderung, die nach wie vor in unserer Gesellschaft existieren, hin. Er erklärte, dass das Land Sachsen-Anhalt derzeit einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention erarbeitet. Dieser Maßnahmeplan enthält ein eigenes Handlungsfeld Frauen und Mädchen mit Behinderung. Die Umsetzung soll in den nächsten zehn Jahren erfolgen. Das festgeschriebene Fundamentalziel lautet: „In Sachsen-Anhalt genießen Frauen und Mädchen mit Behinderungen alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll und gleichberechtigt und sind wirksam geschützt vor Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch." Als konkrete Handlungsschritte benannte Herr Maerevoet: die Erarbeitung von Leitlinien zur Gewaltprävention, die Erarbeitung von barrierefreien Informationsmaterialien, Maßnahmen zur sexuellen Aufklärung für Frauen und Mädchen mit Behinderung und die Fortbildung für Lehrkräfte u.a. Der Landesbehindertenbeauftragte wies hinzu darauf hin, dass das Land plant, ein paritätisch-besetztes Gremium zur Umsetzung des Aktionsplanes einzuberufen, was ein Novum in Deutschland darstellen würde. Der erste Entwurf des Aktionsplanes soll noch im Jahr 2012 in den Landtag eingebracht werden.

 Darüber hinaus forderte Frau Gorr, MdL CDU Fraktion, alle Teilnehmenden auf, hinzugucken und sich einzumischen.

Im Anschluss stellte Frau Prof. Kavemann, Dipl. Soziologin und Honorarprofessorin an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin sowie Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstituts Freiburg und Autorin der bundesweiten Studie zur Gewaltbetroffenheit von Frauen und Mädchen aus dem Jahr 2012, die Ergebnisse der Studie kurz vor. Sehr eindrücklich schilderte sie ihre persönlichen Erfahrungen aus den Interviews mit den betroffenen Frauen. Sie gab den Tagungsteilnehmenden einen Einblick in die Opferperspektive, jenseits der erschreckenden Zahlen und Fakten.

 

Fahnhissen anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen

Im Anschluss fand zum zweiten Mal das Fahnenhissen anlässlich des internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen statt. Gemeinsam übernahmen diesen symbolischen Akt die Ministerin für Justiz und Gleichstellung, Frau Prof. Dr. Kolb, und die Vorstandsvorsitzende des Landesfrauenrates, Frau von Angern. Aufgrund der andauernden Bauarbeiten am Justizministerium fand diese zunächst im Foyer und anschließend vor der Tür statt.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurden alle Interessierten eingeladen sich mit konkreten Wünschen und Forderungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention an der Fachtagung zu beteiligen. Bereits im Vorfeld hatte die Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten, das landesweite Netzwerk gegen Gewalt, der Landesfrauenrat und die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen Positionen erarbeitet. Mehrheitlich wurde die Wiedereinrichtungen der Beratungsstelle für Frauen und Mädchen mit Behinderung gefordert. Frau Haberland, PARITÄTISCHER Landesverband, und Editha Beier, Landesfrauenrat, wiesen auf die vorhanden rechtlichen Grundlagen hin. Herr Maerevoet sicherte den Anwesenden zu, dass der Aktionsplan in einem dialogischen Verfahren erarbeitet wird und dass er die Anregungen aus der Veranstaltung mitnimmt und an das zuständige Referat weitergeben wird.

Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der traditionellen Gedenkstunde zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, zu welcher der Landtagspräsident, Herr Gürth, gemeinsam mit dem Landesfrauenrat geladen hatte.

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. bedankt sich bei allen Mitwirkenden für ihr Engagement und bei allen Teilnehmenden für ihr Interesse.

Hier können Sie alle Tagungsdokumente herunterladen:

Vortrag: Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen und der Zugang zu Unterstützung [ Datei herunterladen ]
Stellungnahme: Landesweites Netzwerk für ein Leben ohne Gewalt [ Datei herunterladen ]
Stellungnahme: Landtagsfraktion - Bündnis 90 / Die Grünen [ Datei herunterladen ]
Stellungnahme: LAG der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten [ Datei herunterladen ]
Stellungnahme: Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. [ Datei herunterladen ]
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