Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.
* Marie von Ebner-Eschenbach
03.09.2014

Brustkrebs: Ärztinnenbund fordert Neubewertung des Mammographie-Screenings

Das flächendeckende Mammographie-Screening steht in der Kritik. Erst kürzlich räumte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hin ein, dass die Informationen zu dieser Reihenuntersuchung an den aktuellen medizinischen Kenntnisstand angepasst werden müssten. Jetzt fordert auch der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) eine Neubewertung des Screenings.

2005 wurde die Röntgenreihenuntersuchung der Brust bundesweit eingeführt. Seither werden Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre zur Vorsorgeuntersuchung eingeladen. Doch gehen die Erkenntnisse zu ihren Nutzen und Risiken in unterschiedlichen Studien weit auseinander. Es sei schwierig, die Forschungsergebnisse einheitlich zu bewerten, schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion (Drs. 18/2299)

Unsichere Datenlage erfordert kompetente Evaluation
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wertet derzeit die Veröffentlichungen aus. Ende Juli teilte er mit: „Die unsichere Sachlage hinsichtlich der positiven sowie negativen Auswirkungen von Mammographie-Screening-Programmen bestätigt die Notwendigkeit einer kompetenten Evaluation des deutschen Programms, auch hinsichtlich der Auswirkungen auf die Brustkrebssterblichkeit.“ Ferner hat der G-BA entschieden, dass das Einladungsschreiben für die Frauen sowie das Merkblatt zum Mammographie-Screening vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) überarbeitet werden sollen.

Paradigmenwechsel in der Brustkrebsvorsorge
Die Bundesregierung geht sogar so weit, einen Paradigmenwechsel in der Brustkrebsvorsorge auszurufen und angesichts der nötigen Abwägung zwischen Vorteilen und medizinischen Risiken auf die eigenverantwortliche Entscheidung der Frauen zu setzen. In der Folge bedeute das nicht, dass eine hohe Teilnahmequote am Screening-Programm aufgegeben werde, heißt es in der Regierungsantwort. Doch werde der „informierten, freien Entscheidung zur Teilnahme (oder Nichtteilnahme) an der Krebsfürherkennung der Vorrang gegenüber dem bevölkerungsmedizinischen Ziel einer möglichst hohen Teilnahme am Screening eingeräumt.“

DÄB: Screening-Programm zu recht im Kreuzfeuer der Kritik
Auch der Deutsche Ärztinnenbund fordert eine Neubewertung des Screenings. „Das Jahr für Jahr 220 Millionen Euro teure Mammographie-Screening-Programm ist nach Auffassung des DÄB völlig zu recht ins Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik geraten. Ob das Screening nutzt, ist unklarer denn je“, erklärt Dr. med. Christiane Groß, Vizepräsidentin des DÄB.

Eine Frage der Brustdichte
Der Deutsche Ärztinnenbund fordert, dass den untersuchten Frauen die radiologische Dichte der Brust mitgeteilt wird, um so die Ergebnisse besser einschätzen zu können. Tatsächlich hänge die Zuverlässigkeit der Mammographie entscheidend ab von der Dichte des untersuchten Brustgewebes. Dennoch erhalte jede zweite untersuchte Frau den Ergebnisbericht ohne diese notwendigen Angaben. Bei besonders dichtem Gewebe muss laut Mammographie-Leitlinien eine ergänzende Ultraschalluntersuchung vorgenommen werden. Die aber ist eine IGEL-Leistung (individuelle Gesundheitsleistung) und deshalb von der Versicherten selbst zu zahlen. Der DÄB regt deshalb an, bei erhöhter Brustdichte eine reguläre Ultraschalluntersuchung von der Kasse zahlen zu lassen, um so eine Zwei-Klassen-Medizin zu verhindern.

Weitere Informationen:
Erklärung des Deutschen Ärztinnenbundes

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Dienstag 02. September 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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