Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.
* Marie von Ebner-Eschenbach
02.12.2010

Der Anteil der Alleinerziehenden steigt deutschlandweit

In fast jeder fünften Familie mit minderjährigen Kindern übernimmt nur ein Elternteil die alltäglichen Aufgaben – Zeit und Geld sind knapp.

8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern lebten im Jahr 2009 in Deutschland. Den größten Anteil stellten mit 72 Prozent Familien mit verheirateten Eltern, den kleinsten Lebensgemeinschaften ohne Trauschein aber mit Kindern mit neun Prozent. In den übrigen 19 Prozent der Fälle trug nur ein Erwachsener die Verantwortung für den Haushalt und die Erziehung. Damit wuchsen insgesamt 2,4 Millionen Kinder entweder bei alleinerziehenden Müttern oder Vätern auf. 1996 lag die Gesamtzahl der Familien mit minderjährigen Kindern, in denen zwei Elternteile zugegen waren, noch bei 9,4 Millionen. Während diese Zahl seitdem um 13 Prozent gesunken ist, ist die Zahl der alleinerziehenden Familien um rund 20 Prozent gestiegen. (vgl. statistisches Bundesamt)

Mütter tragen größere Lasten als Väter
Es gibt mehr alleinerziehende Mütter als Väter: Neun von zehn Alleinerziehenden waren im Jahr 2009 Frauen. Hinzu sorgen alleinerziehende Mütter in der Regel für jüngere Kinder als die Väter. Fast ein Drittel der Kinder, die nur von Müttern betreut werden, aber nur elf Prozent der Kinder, die von Vätern betreut werden, sind unter sechs Jahre alt. Mehr als zwei Drittel der Kinder zwischen zehn und 17 Jahren in einer alleinerziehenden Familie werden von den Vätern betreut. Zusätzlich gibt es mehr Alleinerziehende in Ostdeutschland und in den Großstädten.

Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig arm
Familien, zu denen ein Elternpaar gehört, verfügen im Schnitt über deutlich mehr Geld als Familien, in denen nur ein Elternteil die Kinder sorgt. Im Jahr 2009 bezogen rund 31 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 19 Prozent der alleinerziehenden Väter Hartz IV oder Sozialhilfe. Bei Familien mit einem Elternpaar waren es dagegen nur sechs Prozent der Mütter und ein verschwindend geringer Anteil der Väter. Insgesamt mussten im vergangenen Jahr in Deutschland knapp 30 Prozent der Familienhaushalte mit Alleinerziehenden mit weniger als 1.100 Euro pro Monat netto auskommen. 62 Prozent der Alleinerziehenden hatten zwischen 1.100 Euro und 2.600 Euro monatlich zur Verfügung und gerade einmal acht Prozent mehr als 2.600 Euro.

Je jünger das jüngste Kind ist, desto seltener gelingt es Alleinerziehenden, gleichzeitig Kinder zu versorgen und berufstätig zu sein. Alleinerziehende Väter sind viel häufiger erwerbstätig als alleinerziehende Mütter, da sie durchschnittlich ältere Kinder betreuen (s.o.). Rund 72 Prozent der alleinerziehenden Männer gehen einer Arbeit nach, bei den Frauen sind es weniger als 60 Prozent. Darüber hinaus arbeiten knapp neun von zehn dieser Väter in Vollzeit, aber nur gut jede vierte Frau.

Während fast ein Drittel der alleinerziehenden Mütter mit weniger als 1.100 Euro pro Monat auskommen muss, hat nur ein Sechstel der alleinerziehenden Väter so wenig Geld zur Verfügung. Andersherum verdient gut jeder Fünfte der alleinerziehenden Väter, aber weniger als jede Vierzehnte der alleinerziehenden Mütter mehr als 2.600 Euro monatlich.

Der Staat übernimmt häufig die Rolle des Versorgers: Fast ein Drittel der alleinerziehenden Mütter ist auf Transferzahlungen angewiesen.

Mehr Alleinerziehende in den neuen Bundesländern
Der Anteil der Alleinerziehenden in den neuen Bundesländern ist deutlich gestiegen, obwohl die absoluten Zahlen aufgrund des Geburtenrückgangs gesunken sind. Während 18 Prozent der ostdeutschen Familien mit minderjährigen Kindern 1996 aus nur einem Elternteil bestanden, sind es heute 27 Prozent. Kleiner ist der Anteil der Alleinerziehenden im früheren Bundesgebiet. Dort beträgt er gegenwärtig 17 Prozent.

“Begleitmaterial “Alleinerziehende in Deutschland” des statistischen Bundesamtes”:http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pk/2010/Alleinerziehende/pressebroschuere__Alleinerziehende2009,property=file.pdf

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