Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.
* Irmtraud Morgner
09.04.2014

DIW-Studie Im Fokus: Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Immer mehr Berufstätige in Deutschland kümmern sich nebenher um pflegebedürftige Angehörige und Bekannte. Das zeigt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seinem Bericht auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Demnach liegt der Anteil der Erwerbstätigen an allen informell Pflegenden bei 66 Prozent. Die meisten von ihnen sind Frauen.

Häusliche Pflege

Etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen, die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehen, werden laut DIW zu Hause gepflegt. Hinzu kommt „eine relativ große Zahl“ von Personen, die keine Leistungen der Pflegeversicherung beziehen, aber auf Hilfe in den eigenen vier Wänden angewiesen sind. Das DIW hat für die Jahre 2001 bis 2012 errechnet, dass vier Millionen Menschen regelmäßig informelle Pflege leisten, davon waren im Jahr 2012 insgesamt 2,5 Millionen im erwerbsfähigen Alter. 66 Prozent von ihnen pflegen ihre Angehörigen und Bekannten neben ihrem Beruf (2001: 53 Prozent).

Umfang der Pflegetätigkeit stieg in allen Beschäftigungsgruppen

Vier Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren leisteten 2012 mindestens eine Stunde informelle Pflege pro Werktag, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Vor allem an den Wochenenden wenden Erwerbstätige Zeit für Pflegetätigkeiten auf, wobei grundsätzlich der Umfang der Pflegetätigkeit über die Woche hinweg mit dem Erwerbsumfang abnimmt. So verwendeten geringfügig Beschäftigte durchschnittlich 2,8 Stunden für Pflegeaufgaben, Teilzeitbeschäftigte 2,1 Stunden und Vollzeiterwerbstätige 1,7 Stunden. Zugleich stieg aber der Anteil seit 2001 in allen Gruppen an.

Hauptlast der informellen Pflege tragen Frauen

Die Hauptlast der informellen Pflege tragen Frauen – und damit auch die Doppelbelastung durch Beruf und Pflege. Der Anteil der Frauen, die einen Pflegebedürftigen im eigenen Haushalt pflegen, ist von gut 57 Prozent im Jahr 2001 auf 64 Prozent im Jahr 2012 gestiegen. Einen enormen Anstieg erlebte in diesem Zeitraum auch die Erwerbsquote pflegender Frauen: von gut 37 auf 61 Prozent; bei Männern nahm sie von 46 auf 67 Prozent zu. Fast unverändert blieb hingegen die durchschnittliche Pflegezeit von drei Stunden pro Tag.

Pflegezeit und Familienpflegezeit werden kaum in Anspruch genommen
Der Bedarf an informeller Pflege werde angesichts des demografischen Wandels weiter steigen, heißt es im DIW-Bericht. Damit kämen auf pflegende Personen im erwerbsfähigen Alter in zunehmendem Maße Pflegetätigkeiten zu. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege rückt also zunehmend in den Fokus. Mit dem Pflegezeitgesetz und der Familienpflegezeit habe der Gesetzgeber bereits Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit implementiert. „Aufgrund der bislang geringen Inanspruchnahme dieser Leistungen besteht an dieser Stelle weiterer Forschungs- und gegebenenfalls Verbesserungsbedarf.“ So gebe es Hinweise dafür, dass vielen pflegenden Angehörigen diese gesetzlichen Leistungen unbekannt sind.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 07. April 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

nach oben