Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Glaube nicht, es muss so sein, weil es nie anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte für sterile Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!
* Hedwig Dohm
17.03.2014

Einkommensverteilung von Paaren Wer das Geld verdient, bestimmt die Ausgaben

Mit dem Ehegattensplitting im Steuerrecht und der Bedarfsgemeinschaft im Sozialrecht geht die These einher, dass Ehepaare das Geld unabhängig davon ausgeben, wer es durch Erwerbstätigkeit verdient hat. Ein Experiment mit Paaren kommt zu einem anderen Ergebnis.

Nach dem sogenannten Einkommenspooling betrachten und verwenden Paare ihre erworbenen Einkünfte als gemeinsames Einkommen – ein Modell, das fast allen Simulationsstudien zur Arbeitsmarkt-, Familien- und Sozialpolitik zugrunde liegt. Miriam Beblo und Denis Beninger von der Universität Hamburg kommen nach ihren Experimenten mit knapp 100 heterosexuellen Paaren zwischen 20 und 80 Jahren aus allen Bildungs- und Enkommensschichten zu einem etwas anderen Ergebnis: “Unser direkter Test zeigt, dass die Mehrheit dieser Paare ihre Konsumentscheidungen abhängig vom Empfänger des Einkommens trifft, und widerlegt damit die generalisierende Annahme des Einkommenspoolings”, so Beninger und Beblo.

Gleichheit wichtiger als Effizienz
In einem ersten Versuch konnten sich die Paare entscheiden zwischen einer niedrigeren Geldsumme – beide erhalten den gleichen Betrag – und einer höheren, die ungleich verteilt war. Wäre den PartnerInnen die Einkommensaufteilung gleichgültig, hätten sie sich für die höhere Geldsumme entscheiden müssen. Das Experiment zeigte aber: Den Paaren war Gleichheit wichtiger als Effizienz. Sie verzichteten also auf Geld, wenn dafür die Ressourcen gleich aufgeteilt wurden. Dieser Befund sei “mit einem Einkommenspooling nicht vereinbar”, schlussfolgern die beiden WissenschaftlerInnen; schließlich könnten die Partner die höhere Geldsumme nach dem Experiment nach eigenem Belieben wieder umverteilen.

In einer weiteren Experiment sollten die Paare gemeinsam entscheiden, wie viel Geld sie für Einkäufe in verschiedenen Geschäften ausgeben wollten. Das zu verteilende Budget war immer gleich, lediglich die Verteilung auf die beiden PartnerInnen unterschied sich. Weniger als die Hälfte der Paare hielten an ihren Einkaufswünschen fest, auch wenn sich die Geldzuteilung änderte. Bei der deutlichen Mehrheit hing die Entscheidung davon ab, wem welcher Geldbetrag zur Verfügung stand. “Träfe die Hypothese zu, dass Paare ihr Einkommen poolen, sollten sie stets die gleiche Wahl treffen”, fassen die ForscherInnen die Ergebnisse zusammen. “Tatsächlich macht es doch einen Unterschied, wer das Geld erhält.”

Weitere Informationen:
Miriam Beblo, Denis Beninger: Wie teilen Paare wirklich? Ergebnisse einer experimentellen Studie zu Geldaufteilung und Geldverwendung, in: Ulrike Spangenberg, Maria Wersig (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit steuern – Perspektivenwechsel im Steuerrecht, edition sigma, Berlin 2013

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 17. Februar 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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