Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Menschrechte haben kein Geschlecht.
* Hedwig Dohm
16.12.2013

Entgeltgleichheit: Antidiskriminierungsstelle startet Projekt "Gleicher Lohn"

Frauen in Deutschland verdienen im Schnitt fast ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Dieses Lohngefälle hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch vergrößert. Anlass für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes für das Projekt “Gleicher Lohn”, bei dem sich ArbeitgeberInnen einem freiwilligen Lohn-Check unterziehen und ihre Entgeltstruktur prüfen lassen können. Die ersten drei Unternehmen haben mitgemacht.

“Es liegt im ureigenen Interesse von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen, dass Frauen in der Entlohnung nicht benachteiligt werden”, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), bei der Überreichung eines Zertifikats am 11. November an die ersten drei ArbeitgeberInnen, die den freiwilligen Check gemacht haben.

Ergebnisse werden nicht öffentlich gemacht
Dabei prüfen Unternehmen und Verwaltungen ihre Entgeltstruktur mit dem Lohnmessverfahren Öffnet externen Link in neuem Fenstereg-check.de auf eventuelle Ungleichbehandlungen und deren finanzielle Auswirkungen. Neben der Landeshauptstadt München beteiligten sich daran auch die Deutsche Telekom und die K+S Aktiengesellschaft. Ergebnisse des Checks werden nicht öffentlich gemacht, sondern in den Unternehmen unter Einbeziehung der jeweiligen Personalvertretungen einer genauen Prüfung unterzogen.

Deutliches Signal an die Belegschaft und KundInnen
“Schon die Teilnahme am Projekt “Gleicher Lohn” setzt ein deutliches Signal an die Belegschaft und die Kunden eines Unternehmens oder einer Institution, dass das Ziel der Entgeltgleichheit ernst genommen wird”, sagte Lüders; und sie rief weitere Unternehmen auf, sich dem Projekt “Gleicher Lohn” anzuschließen und der von der ADS geförderten Lohnmessung zu unterziehen.

Entgeltlücke hat sich vergrößert
Anders als in vielen anderen OECD-Ländern hat sich der Gender Pay Gap in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren vergrößert, und zwar um ein Prozent. Die Antidiskriminierungsstelle hat für die Bekämpfung der Entgeltungleichheit folgende Kernpunkte formuliert:

Unabhängig davon, ob sie von Männern oder Frauen ausgeführt wird, muss Arbeit einheitlich bewertet und entlohnt werden, wenn die Anforderungen vergleichbar sind. Die Bewertungssysteme für die Berechnung des Lohnes oder Gehaltes müssen überprüft und vereinheitlicht werden.
Teilzeitbeschäftigung muss proportional genauso vergütet werden wie Vollzeitbeschäftigung.
Jede und jeder sollte in dem Umfang arbeiten können, wie er oder sie es möchte. Dazu bedarf es optimaler Rahmenbedingungen wie ausreichender Kinderbetreuungsmöglichkeiten und flexibler Arbeitsbedingungen im Betrieb.
Der Prozess der Lohnfindung, aber auch das Gehaltsgefüge innerhalb eines Unternehmens, sollten so transparent wie möglich gestaltet werden, um Ungleichbehandlungen zu verhindern.
Mittelfristig sollten “typische Frauenberufe” aufgewertet werden.
Entgeltungleichheit kann sich Deutschland auch im Hinblick auf den demografischen Wandel und den kommenden Fachkräftemangel nicht länger leisten. Sie schadet auch der Wirtschaft.

AutorIn: Diana Engel
Erstellt am: Dienstag 19. November 2013

Quelle: newsletter Deutscher Frauenrat e.V.

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