Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Verhältnisse treiben, statt sich von ihnen treiben zu lassen.
* Elise Bartels
05.08.2016

Sommerkino im Moritzhof - rls und LFR zeigen verbotenen DEFA Film "KARLA"

Die Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen-Anhalt und der Landesfrauenrat luden am 28.07.2016 alle Filmfreund_innen zu einem Kinoabend mit Filmgespräch ein. Vor vollbesetzten Zuschauer_innenreichen wurde der verbotene DEFA Film von 1966 (Premiere 1990) „Karla“ gezeigt.

Anschließend fand ein Filmgespräch mit der Schauspielerin und Hauptdarstellerin im o.g. Film, Jutta Hoffmann, statt. Den Abend moderierte der Kultur- und Literaturwissenschaftler Paul Werner Wagner aus Berlin.

Der DEFA-Film “Karla” ist einer der schönsten, menschlich berührendsten Verbotsfilme: die Geschichte einer jungen Lehrerin, die nach dem Studium an eine Oberschule im Norden des Landes kommt. Auf der Hochschule hatte sie Anfang der sechziger Jahre Vokabeln wie “eigene Meinung”, “Meinungsstreit” gehört und auch, dass die Jugend der “Hausherr von morgen” sei. Nun versucht sie, die Schüler ernst zu nehmen und in einer Atmosphäre gegenseitiger Kritik und gegenseitigen Respekts zu ermutigen, selbstständige Menschen zu werden. Sie findet Freunde und Feinde, und sie findet auch einen Mann, der, ehemals Journalist, über Stalins Verbrechen schreiben wollte und sollte und dann doch nicht durfte und der sich seitdem verweigert und im Sägewerk arbeitet. Er sagt ihr, dass das, was sie will, nicht gut gehen wird. Und obwohl er recht behält, ist es doch sie, die ihn wieder lebendig macht, so dass er ihr, als sie strafversetzt wird, folgt.
Das Erlebnis dieses Films ist Jutta Hoffmann als Karla. Sie strahlt eine reine, kristallklare menschliche Kraft aus, Glauben an die Möglichkeit, aufrecht, unangepasst durchs Leben zu gehen.
Text: Paul Werner Wagner

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