Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Glaube nicht, es muss so sein, weil es nie anders war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte für sterile Gehirne. Schaffe Möglichkeiten!
* Hedwig Dohm
06.03.2017

Internationaler Frauentag „Frauenarmut entschlossen entgegentreten – Gleichstellung weiter voran treiben – Gewaltschutz für Frauen und Kinder verbessern!“

Am 06. März traffen sich Vertreterinnen des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt e.V. und Journalisten um über die Forderungen anlässlich des Internationalen Frauentages zu sprechen. Der Landesfrauenrat setzt seine politische Schwerpunkte 2017 vor allem auf die Bekämpfung der Frauenarmut, die konsequente Umsetzung der gleichstellungspolitischen Ziele in Sachsen-Anhalt und auf die Grundforderung von nachhaltigem und verbindlichen Schutz- und Hilfeangeboten für Frauen und Kinder, die Gewalt erfahren haben.

Anlässlich des Internationalen Frauentages fordert der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. konkret:

  • Die eigenständige Existenzsicherung für alle Frauen, denn sie ist Basis für ein gleichberechtigtes Zusammenleben.
  • Kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Bekämpfung von Frauenarmut.
  • Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit, denn deutschlandweit existiert ein Entgeltunterschied von 21 %.
  • Der Schutz und die Hilfe für Opfer von Gewalt muss gesetzlich sichergestellt werden, denn ein kostenfreier und sicherer Zugang zu Hilfe- und Unterstützungseinrichtungen für Frauen und Kinder darf nicht an der Freiwilligkeit der Politik hängen.

Von der neuen Landesregierung in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl erwartet der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. hinzu:

  • 50% Frauenquote für alle Landesgremien, da deren Ergebnisse und Auswirkungen die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen und Männern gestalten Die Besetzung der Landesbeauftragten für Gleichstellung und Frauenpolitik mit höchster Anbindung.
  • Die Fortsetzung und Forcierung der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Kinder.
  • Die Fortschreibung des Frauenfördergesetzes zu einem modernen Gleichstellungsgesetz unter Beibehaltung der weiblichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten.

Hintergrund:
Am 19. März 1911 gingen mehr als eine Million Frauen weltweit auf die Straße. Ihre zentrale politische Forderung war das freie, geheime und gleiche Wahlrecht für Frauen. Clara Zetkin schrieb nach diesem ersten internationalen Frauentag: „Das war die wuchtigste Demonstration für die Gleichberechtigung der Frau, die die Welt bis jetzt gesehen hat.“ In den folgenden Jahren schlossen sich immer mehr Frauen in immer mehr Ländern diesen Demonstrationen an. Sieben Jahre später, nach Ende des Ersten Weltkrieges, erhielten die Frauen in Deutschland das Wahlrecht. 1977 wurde der 8. März von der Vollversammlung der UN offiziell zum „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden“ benannt.

Seit dem ersten internationalen Frauentag haben Frauen weltweit und auch in Deutschland Vieles erkämpft: Frauenwahlrecht, Gleichstellungsartikel im Grundgesetz, Liberalisierung des Abtreibungsrechts, Gleichstellung als Staatsziel in der Landesverfassung u.v.m.

Aber die Lebenswelt von Frauen sieht noch immer anders aus. Noch immer geht es um die Verwirklichung der Chancengleichheit, um gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben und an politischen Entscheidungsprozessen sowie gesellschaftlichen Ressourcen. In Deutschland verdienen Frauen bis zu 21 Prozent weniger als Männer. Viele von ihnen bemühen sich täglich um eine Balance zwischen Familie und Beruf. Und vielen Frauen wird ein beruflicher Aufstieg verwehrt.

In Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen fünf Jahre einige frauenpolitische Fortschritte erzielt. Die Stelle der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten wurde seitens der Landesregierung ausgeschrieben. Das Landesprogramm für ein geschlechtergerechtes Sachsen-Anhalt soll fortgeschrieben werden. Andere Maßnahmen werden dagegen wieder in Frage gestellt. So zum Bespiel das aktuelle Bestreben aus dem Justizministerium, das in den Koalitionsvereinbarungen formulierte und festgeschriebene Ziel, den Anteil von Frauen in Aufsichtsräten der Landesgesellschaften bis Ende 2017 auf mindestens 50 Prozent anzuheben, aufzuweichen. Geplant ist stattdessen eine Quote von 30 Prozent Frauen und eine Verlängerung der Umsetzungsfrist. Dies stellt einen enormen Rückschritt in Sachen Gleichstellung der Geschlechter dar. Eine andere Tatsache ist, dass Frauen sind in Deutschland stärker von Armut betroffen als Männer. Im Armutsbericht des Landes Sachsen-Anhalt wird wiederholt festgestellt, dass vor allem Alleinerziehende, Seniorinnen und Migrantinnen in Armut leben. Aber auch berufstätige Frauen haben ein erhöhtes Armutsrisiko – aufgrund der Art der Beschäftigung. In der Langzeitbetrachtung wird deutlich, dass sich die Armutsgefährdungsquote in den Jahren seit 2010 kaum verändert hat und im Jahr 2015 bei 20,1 Prozent liegt .

Die Frauen in diesem Land fordert der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. auf am 24.09.2017 zur Wahl zugehen und ihre Interessen entsprechend zu vertreten und sich populistischen und rechtsextremen Strömungen entgegen zu stellen. Frauenpolitische Entscheidungsunterstützung erhalten Sie auf der Internetseite des Verbande.

Die aktuelle Pressemitteilung finden sie hier.

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