Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir wollen lieber fliegen als kriechen.
* Louise Otto-Peters
17.03.2014

Frauen in Führungspositionen djb: Börsennotierte Unternehmen sind wenig ambitioniert

In mehr als 300 Hauptversammlungen hat der Deutsche Juristinnenbund (djb) den börsennotierten Unternehmen auf den Zahn gefühlt: Wie es um die Förderung von Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen bestellt ist, wollten die djb-Frauen wissen. Das Ergebnis ist ernüchternd, wie der djb-Abschlussbericht zeigt.

Djb-Präsidentin Ramona Pisal ist nach der Auswertung des Projekts „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ mehr denn je von der Dringlichkeit einer gesetzlichen Quotenregelung, nämlich einer 40-Prozent-Quote, überzeugt: “Frauen sind nach wie vor nur vereinzelt in unternehmerischer Verantwortung. Sie haben kaum Anteil an den Beförderungen in hohe und höchste Managementebenen. Hier bleiben die Männer unter sich. Unsere Erfahrungen sprechen dafür, dass sich daran ohne gesetzliche Vorgaben nichts ändern wird.”

Fällt der politische Druck, stagniert die Frauenförderung
Tatsächlich hat sich im Projektzeitraum zwischen 2009 und 2013 wenig getan in den Unternehmen: Nur jede 14. Neu- bzw. Wiederbestellung in den Vorständen der DAX30- und der 46 weiteren Unternehmen wurde im Jahr 2013 mit einer Frau besetzt. Damit sinkt der Frauenanteil in den Vorständen der DAX30 auf nunmehr 7,4 Prozent; bei den weiteren börsennotierten Unternehmen konnte die Frauenquote nur minimal auf 4,6 Prozent gesteigert werden. Der djb führt das auf den mangelnden politischen Druck zurück und verlangt: Die Unternehmen müssten auch intern dafür Sorge tragen, dass Frauen für diese Toppositionen entsprechend gefördert werden. Darüber hinaus sollten sie öffentlich zugängliche Anforderungsprofile erstellen, Vakanzen öffentlich ausschreiben und bei Neubesetzungen gezielt nach Frauen suchen.

Aufsichtsräte: Noch lange keine Trendwende
Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der DAX30-Unternehmen hat im Jahr 2013 die 20-Prozent-Marke zwar erstmals überschritten, von einer Trendwende könne aber noch lange nicht die Rede sein, heißt es im Abschlussbericht des djb. Denn die weniger gute Nachricht ist: Weiterhin wird nur ein Drittel der Frauen von Anteilseignerseite berufen. Obwohl im vergangenen Jahr in 20 der DAX30-Unternehmen Aufsichtsratswahlen auf Anteilseignerseite stattgefunden haben, wurde nur etwa ein Viertel dieser Posten mit Frauen besetzt.

Technisch-naturwissenschaftliches Profil wird nur in zwei von zehn Fällen gebraucht
Mit der beruflichen Qualifikation von Frauen scheint das wenig zu tun zu haben. Denn auch das hat der djb herausgefunden: Etwa 60 Prozent der Aufsichtsratposten auf Anteilseignerseite seien mit AbsolventInnen wirtschaftswissenschaftlicher und/oder juristischer Studienrichtung besetzt. Nur jeder fünfte Posten ging an eine Person mit technischer oder naturwissenschaftlicher Qualifikation. Insofern trage das weit verbreitete Argument nicht, dass der geringe Frauenanteil allein darauf zurückzuführen sei, dass es Frauen an technisch-naturwissenschaftlichen Berufsabschlüssen fehle.

Die djb-Aktionärinnen beklagen auch die mangelhafte Transparenz der befragten Unternehmen: Obwohl Daten zum Frauenanteil an der Belegschaft und auf den jeweiligen Führungspositionen erhoben würden, fehlten diese in den Lageberichten. Über drei Viertel der Dax30-Unternehmen veröffentliche gar keine frauenspezifischen Daten.

Datenlage ist undurchsichtig
Auch die nach dem Quotengipfel im Oktober 2011 eingeführten Statusberichte brächten hier nicht viel mehr Licht ins Dunkel, im Gegenteil: „Beim Datenabgleich ergeben sich in den Statusberichten bei annähernd der Hälfte der 30 Dax-Unternehmen höhere Werte als bei denjenigen, die die Unternehmen auf den Hauptversammlungen angeben“, zeigt sich der djb irritiert. Da in den Statusberichten die einzelnen Führungsebenen nicht gesondert aufgeführt würden, lasse sich auch nicht feststellen, worauf diese teilweise erheblichen Abweichungen zurückzuführen seien.

Weitere Informationen:
Die Onlineversion der Studie “Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung – 2009 bis 2013. Mehr Frauen in Führungspositionen. Fazit und Forderungen” finden Sie hier.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 03. März 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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