Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Ich habe nie genau herausgefunden, was der Feminismus eigentlich ist. Ich weiß nur, dass man mich als Feministin bezeichnet, wann immer ich Gedanken äußere, die mich von einem Fußabtreter unterscheiden.
* Rebecca West
31.03.2014

FrauenlohnSpiegel: Lohndiskriminierung: direkt und indirekt

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen liegt in Deutschland seit 2009 unverändert um rund 20 Prozent unter dem von Männern. Das bestätigt eine neue Analyse, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zum diesjährigen Equal Pay Day vorgelegt hat.

Besonders groß ist der Einkommensunterschied unter älteren Beschäftigten: In der Altergruppe der 25 und 30 Jahren liegt er bei rund 13 Prozent, in der zwischen 36 und 40 Jahren beträgt er 19 Prozent, bei den 51- bis 55-Jährigen erreicht er gut 21 Prozent und in der Altersgruppe der 61 bis 65- Jährigen sogar 28 Prozent. Dieser Trend untermauert andere Studienergebnisse: Schon zu Beginn des Berufslebens würden Frauen schlechter als Männer bezahlt. Neben struktureller Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, etwa durch familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, seien Frauen aber auch „gar nicht so selten mit direkter oder indirekter Diskriminierung konfrontiert”, sagte Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Auch bei den Sonderzahlungen haben Frauen das Nachsehen
Mit seinem Internetportal www.frauenlohnspiegel.de sorgt das WSI-Tarifarchiv seit einigen Jahren für mehr Transparenz bei den Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Frauen (und Männern). So wurde unter anderem festgestellt, dass Frauen nicht nur beim monatlichen Gehalt, sondern auch bei den Sonderzahlungen abgehängt werden: Während fast 57 Prozent der Männer im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben eine Sonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes erhalten haben, traf dies dagegen nur auf rund 51 Prozent der Frauen zu. Gut 50 Prozent der Männer bekamen Urlaubsgeld, aber nur 38 Prozent der Frauen. Und auch bei Gewinnbeteiligungen haben Frauen das Nachsehen: Jeder fünfte befragte Mann erhielt eine solche Sonderzahlung, aber nur jede zehnte Frau.

Karrieresprung garantiert keine gerechte Bezahlung
Auch bei Beförderungen werden Frauen seltener berücksichtigt. Rund 18 Prozent der Frauen, aber knapp 27 Prozent der Männer gaben an, dass sie in dem Betrieb, in dem sie arbeiten, schon einmal befördert worden seien. Das korrespondiert mit einem weiteren Ergebnis des WSI-LohnSpiegel: Nur ein Fünftel der Frauen mit Hochschulabschluss schafften es in eine Führungsposition, bei den Männern war es ein Drittel. Und selbst wenn der Aufstieg geschafft ist, zahlt sich das für Frauen längst nicht gleichermaßen in barer Münze aus: Frauen mit Hochschulabschluss erhielten im Jahr 2013 als (Haupt-)Abteilungsleiterinnen im Schnitt 3.700 Euro monatlich, Männer in derselben Position dagegen 5.200 Euro.

Internationales Netzwerk
Seit dem Start des Projekts „LohnSpiegel“ im Jahr 2004 haben sich rund 250.000 Beschäftigte an der Umfrage beteiligt. Der Gehalts-Check bietet Daten zu 374 Berufen. Das Projekt “LohnSpiegel” ist Bestandteil des internationalen Wage-Indicator-Netzwerks, an dem Projekte aus über 75 Ländern mit gleicher Zielrichtung beteiligt sind.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Freitag 21. März 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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