Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Patriarchat ist die Heimat der Männer; es ist Vaterland; und die Männer sind seine Handlungsbevollmächtigten.
* Mary Daly
25.09.2013

Genitalverstümmelung Hilfe für beschnittene Frauen in Berliner Klinikum

Berlin hat jetzt ein ganzheitliches Zentrum zur Behandlung von Frauen mit Genitalverstümmelungen. Betroffene können im Klinikum Waldfriede eine wiederherstellungschirurgische und psychologische Behandlung erhalten – auch wenn sie nicht krankenversichert sind. Das Zentrum ist eine Kooperationseinrichtung des Berliner Klinikums mit der Desert Flower Stiftung in Wien.

Das Klinikum Waldfriede ist das erste europäische Krankenhaus, in dem Frauen mit Genitalverstümmelungen ganzheitlich behandelt werden: Das Desert Flower Center wurde am 11. September eröffnet. Dabei handelt es sich um eine Kooperationseinrichtung des Berliner Klinikum Waldfriede und der Desert Flower Stiftung der UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie. Die gebürtige Somalierin setzt sich für die Rechte afrikanischer Frauen und gegen das Ritual der Beschneidung ein; sie war selbst Opfer von Genitalverstümmelung. Ihr Leiden verarbeitete sie unter anderem in ihrem vielbeachteten Roman “Wüstenblume”.

Spezielle Operationen bei Inkontinenz
Das christliche Krankenhaus Waldfriede hat sich auf die Darm- und Beckenbodenchirurgie spezialisiert. Dadurch können auch Frauen, die durch die Beschneidung inkontinent geworden sind, spezielle Operationen erhalten. Außerdem stehen in dem Zentrum PsychologInnen, SeelsorgerInnen, ein Sozialdienst und Selbsthilfegruppen für eine weitergehende bzw. ergänzende Betreuung bereit.

Vielfältige gesundheitliche Folgen
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit 150 Millionen Frauen und Mädchen beschnitten. Trotz Verbot wird Genitalverstümmelung auch in Europa noch praktiziert. In Deutschland leben rund 50.000 Betroffene. Die gesundheitlichen Folgen sind vielfältig: Entzündungen im Genitalbereich, Inkontinenz, Fistelprobleme, Traumatisierungen, gesellschaftliche Isolation, ein überwältigendes Schamgefühl.

Viele Anfragen
Die Kosten für Operationen im Klinikum Waldfriede werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Nichtversicherte Pataientinnen können finanzielle Unterstützung für die Behandlung erhalten. Die Desert Flower Stiftung in Wien und der Öffnet externen Link in neuem FensterFörderverein Waldfriede e.V. wollen hierfür Mittel zur Verfügung stellen. Spenden sind willkommen, um das Angebot langfristig sicherzustellen. Schon jetzt gibt es nach Angaben des Klinikums viele Anfragen von Betroffenen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Quelle: newsletter Deutscher Frauenrat vom 25.09.2013

Autorin: Diana Engel
Erstellt am: Freitag 20. September 2013

nach oben