Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wer sich nicht bewegt, spürt seine Fesseln nicht!
* Rosa Luxemburg
20.01.2016

Gewalt gegen Frauen Partnergewalt taucht selten in Polizeiberichten auf

Frauen sind von häuslicher Gewalt sehr viel häufiger betroffen, als dies in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Eine Schweizer Medienanalyse zeigt, dass die Polizei eher über Verkehrsunfälle berichtet als über Gewalt in der Partnerschaft oder Familie – dies führt zu einer Verzerrung der Wahrnehmung.

„Im Extremfall kann häusliche Gewalt in der öffentlichen Wahrnehmung unter den Tisch fallen“, so die Professorin für Strafrecht und Kriminologie, Nadja Capus. Sie bezieht sich auf die Analyse der Schweizer Zeitung Bund.

Kaum Pressemeldungen der Polizei zu häuslicher Gewalt
Danach gab es in den Jahren 2013 und 2014 im Kanton Bern über 2.600 Einsätze wegen häuslicher Gewalt. Die Polizei verfasste jedoch nur in drei Fällen eine Pressemitteilung dazu – dies entspricht 0,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum erfasste die Statistik 11.700 Verkehrsunfälle und -delikte. Mit 700 Mitteilungen informierte die Polizei hierüber – dies entspricht sechs Prozent.

Polizei: Opferschutz
Die Polizei hätte jeden fünften Tag über häusliche Gewalt berichten müssen, wenn sie genauso häufig darüber informiert hätte, wie über die Verkehrsunfälle, heißt es in der Medienanalyse. Die Polizei begründete ihre zurückhaltende Berichterstattung mit „Opferschutz“ und verwies auf ihre jährliche Kriminalstatistik, in der auch die Zahlen zu häuslicher Gewalt genannt werden.

Medienarbeit der Polizei verzerrt die Realität
Wie das Online-Portal frauensicht berichtet, kritisierte auch die Zeitung Bund in einem Kommentar, dass die Polizei mit ihrer Medienarbeit die Realität verzerrt darstelle. Das habe negative Auswirkungen auf den Schutz der Bevölkerung. Über Einbrüche informiere die Berner Kantonspolizei jeden Monat zusammenfassend, wie viele Fälle es gegeben hat. “Das könnte sie auch in Fällen häuslicher Gewalt tun, ohne damit die Opfer zu gefährden,” schreibt die Zeitung Bund.

WHO: Weltweit ein Drittel aller Frauen einmal häuslicher Gewalt ausgesetzt
Weltweit ist rund ein Drittel aller Frauen einmal in ihrem Leben häuslicher Gewalt ausgesetzt, so die Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Europäischen Union ist jede 6. Frau von dieser Form der Menschenrechtsverletzung betroffen.

Weitere Informationen:

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

AutorIn: Christine Müller
Quelle: Deutscher Frauenrat

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