Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.
* Marie von Ebner-Eschenbach
14.07.2014

Gewalt gegen Frauen: Zwischen den Fronten des Syrien-Krieges

Schwere Menschenrechtsverletzungen an Frauen hat Human Rights Watch in Syrien protokolliert. Im aktuellen Bericht der internationalen Menschenrechtsorganisation, in dem 17 Syrerinnen porträtiert werden, wird das Ausmaß der Kriegsgewalt an Frauen deutlich. Er erschien rechtzeitig zur Sitzung des CEDAW-Ausschusses der UN in Genf, der sich am 4. Juli mit der Situation der syrischen Frauen befasst hat.

Der Bericht von Human Rights Watch (HRW) „We Are Still Here: Women on the Front Line of Syria’s Conflict“ dokumentiert am Beispiel von 17 syrischen Frauen, die in die Türkei geflohen sind, wie sich der Krieg auf diese Frauen auswirkt. Laut HRW werden auch Frauen in Syrien willkürlich verhaftet, gefangen gehalten, körperlich misshandelt, eingeschüchtert und gefoltert – sowohl von Regierungskräften und regierungsnahen Milizen als auch von Oppositionsgruppen. Sechs der Befragten waren gefangen genommen, körperlich misshandelt oder gefoltert worden; eine von ihnen gab an, mehrfach sexuell misshandelt worden zu sein. Andere Frauen berichteten, dass sie in ihrer Kleidungs- und Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurden. Bei willkürlichen Angriffen von Regierungskräften auf die Zivilbevölkerung wurden mehrere Frauen verletzt oder haben Familienangehörige verloren.

Frauen werden nicht verschont
„Frauen werden von der Brutalität des Syrien-Konflikts nicht verschont, aber sie sind auch keine passiven Opfer“, so Liesl Gerntholtz, Leiterin der Frauenrechtsabteilung von Human Rights Watch. Sie übernähmen zunehmend Verantwortung, freiwillig oder unfreiwillig. Dafür sollten sie nicht mit Einschüchterung, Verhaftung, Misshandlung oder Folter bezahlen, so Gernholtz.

Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen
Die aktuelle Überprüfung durch den UN-Ausschuss für das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) ist für Human Rights Watch die Gelegenheit, auf die Notlage von Frauen in Syrien und die Gewalt in einem Klima der Straflosigkeit hinzuweisen. Der Ausschuss müsse die syrische Regierung auffordern, willkürliche Festnahmen und Haft sowie jegliche Form von Gewalt gegen Frauen zu beenden, die Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, so HRW.

Der CEDAW-Ausschuss untersucht in regelmäßigen Abständen, inwieweit sich staatliche AkteurInnen in den Unterzeichner-Staaten an ihre Verpflichtungen halten, die ihnen CEDAW auferlegt, und empfiehlt Maßnahmen, mit denen die Situation von Frauen und Mädchen verbessert werden kann.

Frauen gleichberechtigt am Friedensprozess beteiligen
Darüber hinaus sollten nach Einschätzung von HRW der UN-Sicherheitsrat, die syrische Regierung und andere beteiligte Parteien gewährleisten, dass Frauen umfassend und gleichberechtigt an allen zukünftigen Friedensgesprächen oder Verhandlungen beteiligt werden. Das müsse auch für den anschließenden politischen Prozess und die Friedenskonsolidierung gelten.

Geberländer in der Pflicht
„Die Frauen Syriens haben unfassbare Verluste erlebt. Sie sind Aktivistinnen, humanitäre Helferinnen und pflegen ihre Angehörigen“, so Gerntholtz. Geberländer sollten dabei helfen, den unmittelbaren Bedarf der Frauen zu decken, und sich für eine aktive Beteiligung der Frauen an der Zukunft Syriens einzusetzen.

Nach der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrat und CEDAW, die die syrische Regierung im Jahr 2003 ratifiziert hat, sollen alle Konfliktparteien Maßnahmen ergreifen, um Frauen und Mädchen während des Konflikts vor Gewalt zu schützen, einschließlich sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt.

Weitere Informationen:

“We Are Still Here”. Women on the Front Lines of Syria's Conflict

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 07. Juli 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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