Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Haben und nicht geben ist in manchen Fällen schlimmer als stehlen.
* Marie von Ebner-Eschenbach
12.05.2014

Hans-Böckler-Stiftung: Gesetzliche Quote muss weiter gefasst werden

Die Hans-Böckler-Stiftung (HBS) sieht bei den von Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgelegten Leitlinien zur Quote für Führungspositionen Nachbesserungsbedarf. Der Geltungsbereich sei willkürlich gezogen und die geplanten Quoten-Vorschriften für betriebliche Arbeitnehmer-Vertreter ignorierten betriebliche Realitäten.

Erst fünf der insgesamt 101 Unternehmen, für die ab 2016 eine Geschlechterquote von 30 Prozent gelten soll, erfüllen diese Maßgabe schon jetzt, rechnet die HBS vor. Ende März hatte Bundesfrauenministerin Schwesig Leitlinien für mehr Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst vorgelegt.

Angemessene Repräsentation von Frauen ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat die Eckpunkte näher begutachtet und kommt zu dem Schluss: Noch viele Fragen sind offen. So sei zum Beispiel nicht erkennbar, weshalb die 30%-Quote nur gelten soll für börsennotierte und voll mitbestimmungspflichtige Unternehmen, deren Aufsichtsräte jeweils zur Hälfte mit Vertretern der Kapitaleigner und Beschäftigten zusammengesetzt sind. Die Kombination aus “börsennotiert” und “voll mitbestimmt” sei willkürlich gesetzt, so die Stiftung. Dabei sei doch die angemessene Partizipation von Frauen in Entscheidungsgremien eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und könne nicht auf die beiden ausgewählten Parameter reduziert werden.

Und noch eine weitere Kritik bringt die Hans-Böckler-Stiftung an: So berücksichtigten die Leitlinien nicht, dass in manchen Unternehmen Frauen und Männer unterschiedlich stark in der Belegschaft vertreten seien: „Die Arbeitnehmervertreterinnen rekrutieren sich aus der Belegschaft. Deshalb wäre es geboten, die Geschlechteranteile in der Belegschaft angemessen zu berücksichtigen“, heißt es in der Studie. Besser wäre hier eine Anlehnung an die Regelungen im Betriebsverfassungsgesetz, nach dem sich die Quotierung von Betriebsratsgremien am Frauen- bzw. Männeranteil im Betrieb orientierten.

Weitere Informationen:
Lasse Pütz und Marion Weckes: Geschlechterquote für mehr Frauen in den Aufsichtsräten – vor allem Anteilseigner sind gefordert (pdf). Auswertung der Abteilung Mitbestimmungsförderung, April 2014.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Samstag 26. April 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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