Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Patriarchat ist die Heimat der Männer; es ist Vaterland; und die Männer sind seine Handlungsbevollmächtigten.
* Mary Daly
17.03.2014

Hebammen: Bundesgesundheitminister Gröhe sichert langfristige Unterstützung zu

Deutschlands Hebammen schöpfen neue Hoffnung: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat nach einem Gespräch mit den Hebammenverbänden versichert, er wolle das Haftpflichtproblem der Geburtshelferinnen dauerhaft und nachhaltig lösen. Das ist dringend geboten, denn die Lage auf dem Versicherungsmarkt hat sich für Hebammen weiter verschärft.

Nicht nur, dass die Haftpflichtprämien in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich angestiegen sind. Jetzt ist auch noch die Gruppenversicherung in Gefahr. So hat die Nürnberger Versicherung angekündigt, ab Juli 2015 aus dem Konsortium auszusteigen. Die einzige verbleibende alternative Versicherung wäre noch teurer.

Beruf akut bedroht
Ruth Pinno, Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD), erläutert die Folgen: „Das bedeutet Berufsverbot für die freiberuflichen Hebammen, denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen wir weder Geburten zu Hause, im Geburtshaus oder als 1:1-Beleghebamme in der Klinik betreuen noch Schwangeren- und Wochenbettbetreuungen annehmen”. Der Markt für die Versicherung von Hebammen reguliere sich nicht mehr selbst. Die Folgen seien dramatisch, “der Beruf ist akut von der Vernichtung bedroht.”

Gestiegene Prämien: Viele Hebammen haben Beruf an den Nagel gehängt
Dabei ist die Versicherung für die Geburtshelferinnen in den vergangenen Jahren schon um das zehnfache gestiegen – trotz abnehmender Schadenzahlen und bei weiterhin niedriger Vergütung. Viele freiberuflichen Hebammen konnten diese Kosten nicht mehr stemmen und haben ihren Beruf deshalb an den Nagel gehängt. Schon jetzt gibt es bundesweit Regionen, in denen eine freiberufliche geburtshilfliche Versorgung nicht mehr gewährleistet sei, warnen die Hebammenverbände.

Haftungsobergrenze gefordert
Damit sich die Situation nicht weiter verschärft, fordern sie eine grundlegende Neustrukturierung der Haftpflichtversicherung mit einer Haftungsobergrenze für ihren Berufsstand. Kurzfristig sei auch ein Regressverzicht der Sozialversicherungsträger denkbar, um die Versorgung der Schwangeren, Gebärenden und ihrer Familien durch Hebammen weiterhin sicherzustellen.

Gröhe nimmt Sorgen ernst
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sieht das Problem. Nach einem Gespräch mit den Hebammenbverbänden am 18. Februar sagte er, dass er die Sorgen der Hebammen sehr ernst nehme; es sei ihm ein “echtes Herzensanliegen”, die im Koalitionsvertrag erwähnte flächendeckende Versorgung mit Geburtshilfe sicherzustellen.

Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), lässt das neuen Mut schöpfen: „Das Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister gibt uns Anlass zur Hoffnung, dass das strukturelle Problem der Haftpflichtversicherung bei den Hebammen endlich politisch angegangen wird. Ab dem Sommer 2014 soll es eine kurzfristige Lösung geben, um die Kosten für die Haftpflicht für alle betroffenen Hebammen auszugleichen.” Auch eine langfristigere und strukturelle Lösung wolle der Minister zusammen mit den Hebammenverbänden erarbeiten.

Massiv zugespitzte Situation für Hebammen
Inzwischen hat sich auch der Gesundheitsausschuss des Bundestages mit dem Thema befasst. Einige Abgeordnete im Ausschuss sprachen von einer “massiv zugespitzten Situation” für die Hebammen. Es gebe akuten Handlungsbedarf. Nötig seien mehr Fakten sowie eine möglichst konkrete Perspektive, wie eine flächendeckende Geburtenhilfe erhalten werden könne. Dazu beitragen soll der Abschlussbericht einer interministeriellen Arbeitsgruppe, die sich im vergangenen Jahr mit der Problematik befasst hat. Die Veröffentlichung wird in den nächsten Wochen erwartet.

Weitere Informationen:
www.hebammenverband.de

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 24. Februar 2014

Quelle Deutscher Frauenrat e.V.

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