Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Werbung, die Medien, der Film, alle bieten sie den Körper der Frau als Ware an, die der Mann kaufen oder mit Gewalt nehmen kann. Mehr noch: Die ganze Welt des Konsums verführt via Sexualgewalt und Ware Frau. Man kauft nicht nur das Auto, man kauft den Frauenkörper dazu.
* Dacia Maraini
23.11.2018

Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen – Umsetzung Istanbul-Konvention gefordert

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen veranstaltete der Landesfrauenrat in Kooperation mit VERA - der Fachstelle gegen Zwangsverheiratung und ehrbezogene Gewalt des AWO-Landesverband Sachsen-Anhalt, dem Kompetenzzentrum geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe, Wildwasser Magdeburg e.V. und LIKO - Landesintervention und -koordination eine Fachveranstaltung unter der Überschrift „Istanbul Konvention - Umsetzung und Strategien auf Bundes- und Länderebene".

Das Ministerkomitee des Europarates hat im Mai 2011 das „Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt" in Istanbul beschlossen. Das Übereinkommen wurde unter Berücksichtigung der Konvention der Menschenrechte, CEDAW-Empfehlungen, Kinderrechte und Rechte für Menschen mit Behinderungen erarbeitet. Am 1. Februar 2018 ist das Übereinkommen in Deutschland in Kraft getreten.


Die Istanbul-Konvention besteht aus 81 Artikeln mit dem Ziel, jede Form von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen, Diskriminierung von Frauen zu beseitigen und Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Bund, Länder und Kommunen sind für die Umsetzung von umfassenden politischen und sonstigen Maßnahmen verantwortlich, um Schutz und Unterstützung der Betroffenen, sowie der Strafverfolgung von Tätern und Täterinnen zu gewährleisten*. 

Im Jahr 2017 wurden durch ihre Partner oder Ex-Partner insgesamt 138.893 Personen Opfer versuchter und vollendeter Taten. Zu den Delikten gehören Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung, Stalking und Nötigung, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Insgesamt waren 113.965 Frauen von Partnerschaftsgewalt betroffen. Die Auswertung des BKA zeigt: Es sind zu über 82 Prozent Frauen, die von Partnerschaftsgewalt betroffen sind. Fast die Hälfte (49,1 Prozent) von ihnen lebte in einem Haushalt mit dem Tatverdächtigen. Dies sind die aktuellen Zahlen, die Bundesfrauenministerin Dr. Franziska Giffey am 20.11.2018 offiziell für Deutschland vorgestellt hat. Sie sind erfasst in der „Kriminalstatistischen Auswertung zu Partnerschaftsgewalt 2017", welche durch das Bundeskriminalamt erstellt wurde.


Anlässlich dieser gleichbleibend erschreckend hohen Zahlen ist die Umsetzung der Istanbul-Konvention zwingend erforderlich! 

Im Rahmen des Fachtags am 21.11.2018 in Magdeburg erarbeiteten circa 90 Teilnehmende einen umfassenden Empfehlungskatalog zur Umsetzung. Dieser soll anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im Rahmen einer Gedenkstunde im Landtag vorgestellt werden. Die Landtagspräsidentin und die Vorsitzende des Landesfrauenrates laden hierzu ab 13 Uhr recht herzlich ein. 

 

Landesweit beteiligen sich Städte, Kommunen und Verbände an der Fahnenaktion von Terre des Femmes „Nein zu Gewalt an Frauen". Am 25. November 2001 ließ TERRE DES FEMMES zum ersten Mal die Fahnen wehen, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Seither wehen die Fahnen und Banner jedes Jahr und die Aktion wird weitergetragen.

*Zum Hintergrund*
Bereits seit 1981 organisieren Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt alljährlich zum 25.11. Veranstaltungen und Aktionen, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen thematisieren. Im Jahr 1999 bestimmte die UN-Generalversammlung den 25.11. zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Hintergrund für die offizielle Initiierung des Aktionstages 1999 durch die Vereinten Nationen war die Entführung, Vergewaltigung und Folterung dreier Schwestern und ihre Ermordung im Jahr 1960. Die Schwestern Mirabal waren in der Dominikanischen Republik durch Militärangehörige des damaligen Diktators Rafael Trujillo verschleppt worden.

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