Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn eine Frau zur Realität durchdringt, lernt sie ihren Zorn kennen, und das heißt, sie ist bereit zu handeln.
* Marly Daly
16.12.2013

Islam: Muslimischer Bundesfrauenverband gegründet

Die größte islamische Organisation in Deutschland (DİTİB) hat einen Bundesfrauenverband gegründet. Bei der Gründung in Köln appellierten DİTİB-Mitglieder an die neue Bundesregierung, die doppelte Staatsbürgerschaft nicht auf die zweite und dritte Generation zu begrenzen und ermutigten andere Musliminnen, sich politisch einzumischen.

Nach der Gründung von 15 Landesfrauenverbänden in den vergangenen drei Jahren hat die Türkisch-Islamische Union (DİTİB) jetzt einen Bundesfrauenverband ins Leben gerufen. Dies sei der letzte strukturelle Schritt zur vollen Partizipation von Frauen in den DİTİB-Verbandsstrukturen, hieß es. Annähernd 100 Delegierte der Landesfrauenverbände waren zur Gründungsveranstaltung nach Köln gereist.

“Längst fällig”
Ayten KılıE7arslan, Koordinatorin der DİTİB-Landesverbände, forderte die Frauen auch auf, sich in die Politik in Deutschland einzumischen. “Vor 95 Jahren trat für Frauen erstmalig das aktive und passive Wahlrecht in Deutschland in Kraft”, erinnerte Ayten KılıE7arslan. “Heute schaffen wir den längst fälligen Abschluss in der Verbandsentwicklung, indem wir einen muslimischen Bundesfrauenverband gründen.”

Die doppelte Staatsbürgerschaft, wie sie im Koalitionsvertrag vereinbart wurde, habe in dieser Form keine ausreichende Signalwirkung, kritisierte KılıE7arslan. “Wir wollen doppelte Staatsbürgerschaft, aber nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für die zweite und dritte Generation, für uns”, betonte sie. Sie appellierte außerdem an die Politik, auch über die Neustrukturierung der Bildungslandschaft und Bildungspolitik nachzudenken und sich für die Aufhebung des Kopftuchverbots im öffentlichen Dienst einzusetzen.

Ungleichheit bekämpfen
Kazim Türkmen, Mitglied des Bundesvorstandes, betonte, die Ungleichheit und Ausgrenzung muslimischer Frauen müsse entschieden bekämpft werden. “Deshalb stehen wir als DİTİB in der Verantwortung, den Frauen in der Gesellschaft den Weg zu ebnen und den Platz zu ermöglichen, der ihnen zusteht.” Der Islam sei gegen eine Benachteiligung von Frauen. In einer von Männern dominierten Gesellschaft sei es jedoch ein langer Weg, bis Frauen die gleichen Rechte und Möglichkeiten hätten, so Türkmen weiter.

Staatlich kontrollierter Verband
Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion ist organisatorisch eng mit der staatlichen Religionsbehörde in der Türkei verbunden. Zur DİTİB in Deutschland zählen etwa 900 Vereine, davon mehr als 800 Moscheevereine. Sie war Ansprechpartnerin bei dem von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Integrationsgipfel. Sie ist keine zivile Organisation sondern ein von der Türkei staatlich kontrollierter Verband.

AutorIn: Diana Engel
Erstellt am: Donnerstag 05. Dezember 2013

Quelle: newsletter Deutscher Frauenrat e.V.

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