Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichte hat.
* Gerda Lerner
03.12.2010

Karriere beider PartnerInnen ist trotz Kinder möglich

Nach einer Studie stellt das Deutsche Jugendinstitut (DJI) fest, dass Frauen ihre Partner stärker in die Pflicht zur Vereinbarkeit vom Beruf und Familie nehmen müssen. Noch immer sind Frauen die Verantwortlichen für gemeinsame Kinder, während Männer die klassische Ernährerrolle einnehmen.

Die Untersuchung zeigt auf, dass auch Doppelkarriere-Paare nur schwer der sogenannten Traditionalisierungsfalle entkommen – Frauen stecken beruflich zurück und Männer machen Karriere. Das DJI hat analysiert, unter welchen Bedingungen es Paare schaffen, über längere Zeit zwei berufliche Karrieren zu verfolgen. Befragt wurden hierfür 47 hochqualifizierte Frauen und 39 ihrer PartnerInnen in Einzel- und Paarinterviews. Alle Paare hatten bereits Kinder oder haben im Verlauf des Projekts Kinder bekommen.

Unternehmen müssen sich dem Karrierewünschen beider PartnerInnen stellen
Aus den Forschungsergebnissen leitet das DJI Handlungsempfehlungen ab, die bei der Umsetzung die berufliche Entwicklung von Frauen fördern und die Karriere für beide PartnerInnen ermöglichen. So sollten Unternehmen immer den Paar- und Familienkontext der Beschäftigten im Blick haben, da Frauen und Männer in diesem Kontext über ihre Karriere entscheiden. Denn in zunehmendem Maße wollen beide PartnerInnen Karriere machen. Arbeitgeber sollten Programme zur Förderung von Doppelkarrieren (Dual Career Policy) einführen, die transparent und eindeutig geregelt sind.

Einsatz Dritter zur familiären Betreuung und Pflege der Kinder ermöglichen
Des Weiteren sollten Vätermonate ausgeweitert werden, um eine gerechte Aufteilung der Familienverantwortung zu ermöglichen. Ansprüche auf Elternzeit und Kinderkrankheitstage müssen auf Dritte übertragen werden können, damit sich die Handlungsoptionen der Eltern bezüglich der Betreuung vergrößern. Und die institutionellen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden: Führung muss auch in Teilzeit für beide Geschlechter möglich sein.

Paare haben Entwicklungspotential
Weiterhin können die Paare selbst viel zum Gelingen beitragen: herkömmliche Geschlechterpraxen müssen immer wieder in Frage gestellt werden. “Dies kann konkret bedeuten, dass Paare Entscheidungen treffen, die sich möglicherweise erst langfristig, dafür aber nachhaltig, amortisieren, z.B. indem bewusst in die Karriere des Partners investiert wird, der die schlechteren beruflichen Chancen hat”, erläutert das Münchener Institut.

Zu den Doppelkarriere-Paaren zählen in Deutschland fünf bis zwanzig Prozent der berufstätigen Paare, bei Akademikerpaaren im Alter von dreißig bis 49 Jahren sind es rund fünfzig Prozent.

Zur Untersuchung des Deutschen Jugendinstituts

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