Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir werden nicht aus männlicher Mentalität oder Denkweise heraus handeln wollen, sondern uns bemühen, den Instinkt und das Gefühl der Frau mit der Klugheit eines geschulten Geistes zu verbinden, das heißt, wir möchten ein kluges Herz haben.
* Theanolte Bähnisch
20.05.2015

Kaum Arbeitsschutz für Migrantinnen in der Haus- und Pflegarbeit in Privathaushalten

Der Arbeitsschutz hinkt den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hinterher. Besonders betroffen sind etwa Migrantinnen, die in der häuslichen Pflege tätigt sind. Zu diesem Ergebnis kommen WissenschaftlerInnen in einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Studie.
„Die Arbeits- und Lebenssituationen von Migrantinnen in deutschen Privathaushalten tragen mitunter anomische Züge. Diese sind Folge mangelnder sozialer, aber auch behördlicher Kontrollmechanismen. Haushalte gelten als ein vor öffentlicher Kontrolle geschützter Bereich. Arbeits- und sozialrechtliche Normen, die als gesellschaftliche Standards für andere (vor allem männliche) Beschäftigungsgruppen als etabliert gelten, verlieren damit ihre Durchsetzungskraft“, so die Kritik der WissenschaftlerInnen, die an den Universitäten Jena und Trier entsprechende Daten auswerteten.

Bei atypische Arbeitsverhältnissen fehlt häufig Arbeitsschutz
Ihre Untersuchung zeigt auf, dass Beschäftigte in atypischen Arbeitsverhältnissen, wie LeiharbeiterInnen, MinijobberInnen oder Beschäftigte mit Werksverträgen, grundsätzlich von einem fehlenden Arbeitsschutz betroffen sind. Und dies, obwohl Normalbeschäftigte und atypisch Beschäftigte gesetzlich in Sachen Arbeitsschutz weitgehend gleichgestellt seien. Zu diesem Missstand kommt es der Studie zufolge, da atypische Beschäftigte „aufgrund kurzer Einsatzzeiten oft von Arbeitsschutzroutinen wie regelmäßigen Unterweisungen ausgeschlossen“ seien. Auch die Tatsache, dass sowohl Ver- und Entleiher von Leiharbeitskräften für deren Arbeitsschutz verantwortlich seien, führe dazu, dass sich oftmals niemand dafür zuständig fühle.

Ungeschützte Erwerbsarbeit weitet sich aus
Nach den Berechnungen der WissenschaftlerInnen sinken die Standards des Arbeitsschutzes mit wachsendem Abstand zum Normalarbeitsverhältnis. So gaben 57 Prozent der befragten Erwerbstätigen mit unbefristetem Vollzeitjob an, dass ihr Arbeitgeber Gefährdungsbeurteilungen durchführt, und 58 Prozent erwähnten Gesundheitsförderung. Bei ArbeitnehmerInnen mit Teilzeit- oder befristetem Vertrag sind dies jeweils 43 Prozent. LeiharbeiterInnen profitieren zu 47 Prozent von Gefährdungsbeurteilungen, nur 29 Prozent von Gesundheitsförderung. Bei Soloselbstständigen mit Niedriglohn seien die Werte noch schlechter. Die AutorInnen der Studie ziehen den Schluss, dass sich „ein neuer ungeschützter Bereich von Erwerbsarbeit jenseits der betrieblichen Organisation etabliert hat“.

Quelle: Deutscher Frauenrat

Aufsatz der Studie zum Download unter: WSI-Mitteilung 03/2015: Reduziertes Schutzniveau jenseits der Normalarbeit

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