Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Was hätte man davon, wenn man klein täte; es hülfe doch niemand aus der Not, und der Mensch ist so glücklich, wenn er bedauern kann.
* Jenny Marx
08.01.2014

Mütterrente: Gleichstellung mit zusätzlichem Rentenpunkt nicht erfüllt

Die Rentenpolitik der neuen Bundesregierung beginnt mit einem Affront für die Frauen, insbesondere für die Mütter. Die 45er-Regelung ist ein Geschenk für Männer, die das Glück hatten, lebenslang in gesicherten Verhältnissen erwerbstätig zu sein. Nun ist diese Regelung Bestandteil des Koalititonsvertrages, wobei noch unklar ist, ob beziehungsweise wie viele Jahre der Arbeitslosigkeit dabei berücksichtigt werden. Die Beträge sollen aus Beitragsmitteln der Rentenversicherung gezahlt werden. Das wird teuer, lauten die Prognosen von Rentenversicherung und Wissenschaft.

Auch Frauen bekommen zusätzliche Rente, nämlich wenn sie vor 1992 Kinder bekommen haben. Der Koalitionsertrag hat diesen Müttern einen zusätzlichen Entgeltpunkt pro Kind zugebilligt. Die Forderung des DF und vieler anderer Frauenverbände, Gewerkschaften und Sozialverbände nach einer Erhöhung um zwei auf drei Entgeltpunkte wurde damit nur zur Hälfte erfüllt. Diese Mütterrente sei zu teuer, so die Koalitionäre, insbesondere da dies aus Steuermitteln zu finanzieren sei.

Keine 45er-Regelung bei durchschnittlichem Erwerbsverlauf
Was bedeuten diese Unterschiede nun konkret für Frauen und Männer? Eine Mutter mit heute durchschnittlichem Erwerbsverlauf wird die 45er-Regelung nicht in Anspruch nehmen können, selbst wenn sie gleich lange für Erwerbstätigkeit und Kindererziehung tätig ist wie ein Mann – vielleicht der Vater derselben Kinder. Der DF stellt für die weitere Diskussion das fiktive Beispiel von Herrn und Frau B. zur Verfügung:

Während Herr B. mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen kann und (nach durchschnittlichem Verdienst) bis zu seinem Regel-Renteneintrittsalter insgesamt Rente von etwa 37.000 € erhält, kann seine gleichaltrige Frau nicht mit 63 in Rente gehen, auch nicht mit Abschlag. Dafür erfüllt sie wegen der Erziehungszeiten und der für Mütter üblichen Erwerbstätigkeit im versicherungsfreien Minijob nicht die erforderlichen 35 Versicherungsjahre. Sie muss bis 65 und 6 Monate warten.

Ihm werden durch die 45er-Regelung ab 63 monatlich 114 Euro (9 Prozent) an Abschlag erlassen. Bis zum Regel-Renteneintrittsalter beläuft sich das auf 3.420 Euro. Frau B. erhält neu die Mütterrente von einem zusätzlichen Entgeltpunkt für beide Kinder. Dafür bekommt sie circa 56 Euro (west) bzw. 50 Euro (ost) zusätzlich pro Monat, allerdings erst ab 65 Jahre und 6 Monate. Haben beide ein langes Leben und das Glück zusammen achtzig zu werden, erhält Herr B. durch die 45er-Regelung rund 24.000 Euro mehr. Frau B. bekommt durch die Mütterrente etwa 10.000 Euro zusätzlich. Diese Beträge sind erheblich, bessern das Alterseinkommen des Ehepaares deutlich auf, sind aber leider im Vergleich diskriminierend: Frauen profitieren nur sehr selten von der 45er-Regelung.

Was ist das Problem von Frau B.?
Sie hat insgesamt ebenfalls 45 Jahre erwerbstätig und in der Erziehung ihrer Kinder gearbeitet. Aber ihre Jahre in der geringfügig entlohnten Beschäftigung (Minijob) bringen für sie nichts. Der DF forderte deshalb die Sozialversicherung ab dem ersten Euro. Frau B. wird von der neuen Rentenversicherungspflicht für Minijobs aber nicht mehr profitieren. Die Gleichstellung der Mütter ist keineswegs mit dem zusätzlichen Rentenpunkt erfüllt.

AutorIn: Hannelore Buls
Erstellt am: Dienstag 17. Dezember 2013

Quelle: Newsletter Deutscher Frauenrat e.V.

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