Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Frauenrecht ist nicht ein abstrakter Begriff; es ist vor allem eine persönliche Sache.
* Toni Morrison
30.07.2014

Pressemitteilung: Gesundheit von weiblichen Flüchtlingen und Asylbewerberinnen

Derzeit kommen täglich mehr als 100 neue Asylbewerber in Bayern an. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das bis zu 30.000 Asylbewerber. Dieser hohe Zugang führt dazu, dass die Kapazitätsgrenzen der beiden Erstaufnahmeeinrichtungen erreicht sind. Viele weibliche Flüchtlinge und Asylbewerberinnen, die nach Bayern kommen, sind von Verfolgung, Folter und Flucht traumatisiert und in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, die von Enge, Lärm und dem Fehlen von Privatsphäre gekennzeichnet sind. Durch mangelnde Rückzugsmöglichkeiten kann das Sicherheitsbedürfnis von Mädchen und Frauen nicht befriedigt werden. Zudem verstärken die Fremdbestimmung des Aufenthaltes und die Aufenthaltsbedingungen das Gefühl von Hilf- und Perspektivlosigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Stellungnahme des Gesundheitspolitischen Ausschusses im Bayerischen Landesfrauenrat (im Volltext hier abrufbar). Bayerns Sozialministerin Emilia Müller hat in der Asylpolitik bereits wichtige Schritte eingeleitet, dennoch fordert der Bayerische Landesfrauenrat weitere Verbesserungen.

  • Zugang für Leistungsberechtigte nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu den Regelangeboten der Gesundheitsversorgung wie anerkannte Flüchtlinge; keine Einschränkungen für Minderjährige;
  • Kultursensible Fortbildungen für Ärzte, um besser auf die Probleme der gefolterten und geflohenen Mädchen und Frauen eingehen zu können – inklusive erwerbbarer Fortbildungspunkte;
  • Ausbau der psychosozialen Beratung (Stichwort: Frauen für Frauen) durch gezielte Ansprache niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, aber auch die Stärkung entsprechender Zentren;
  • Bessere Rücksichtnahme auf die speziellen Bedürfnisse von Mädchen und Frauen in den Sanitäreinrichtungen. Einhaltung diesbezüglicher räumlicher Anforderungen muss bereits vor der Anmietung bzw. dem Bau von Unterkünften im Genehmigungsverfahren sichergestellt werden;
  • soziale Einbindung der Asylbewerber und Flüchtlinge durch bürgerschaftliches Engagement und Orte des Willkommens;
  • Hilfestellungen zur gesellschaftlichen Orientierung sowie bessere Integration in die Gesellschaft, auch durch verantwortungsvolle und wertschätzende Sprache von Politik und Medien.

Bayrischer Landesfrauenrat
Geschäftsstelle
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80797 München
Tel: 089 1261-1520
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