Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Mehr Stolz ihr Frauen! Wie ist es nur möglich, dass ihr euch nicht aufbäumt gegen die Verachtung, die euch noch immer trifft-Auch heute noch? Ja, auch heute noch.
* Hedwig Dohm
14.03.2011

Podiumsdiskussion zu 100 Jahre Internationaler Frauentag

Vorstandsvorsitzende Ute Fischer

Am 2. März 2011 führte der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Internationaler Frauentag" eine Podiumsdiskussion im Landtag von Sachsen-Anhalt durch. Zum Thema „Was war. Was ist. Was wird sein?" stellten sich die Parteien CDU, SPD, FDP, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN den Fragen des Landesfrauenrates, deren KooperartionspartnerInnen und Mitgliedsorganisationen.

Anfangs verdeutlichte die Vorstandsvorsitzende Ute Fischer, dass wir noch viel zu tun haben und uns noch lange nicht ausruhen dürfen. „Ich werde nicht sagen: Herzlichen Glückwunsch, liebe Frauen!", eröffnete sie die Veranstaltung. Wichtig sei es, dass die Frauen unterschiedlicher Parteien ihre Ziele zusammen verfolgen und dies sei mit dem Landesfrauenrat nach wie vor möglich. „Eine Demokratie ist nur mit völliger Gleichstellung von Mann und Frau eine Demokratie", zitierte Ute Fischer August Bebel.

Landtagspräsident und
Fördermitglied Dieter Steinecke

Auch Landtagspräsident und Fördermitglied im Landesfrauenrat Dieter Steinecke erklärte, es sei kein Tag zum Jubeln, da noch viel Arbeit zur Herstellung der Gleichstellung vor uns liege. Und deshalb zeigte er sich darüber erfreut, dass die Veranstaltung im Landtag stattfand.  „Zwar haben wir im Grundgesetz die Gleichstellung von Männern und Frauen und das Gleichstellungsgesetz, aber wenn wir in die Wirklichkeit schauen, dann sieht das schon ein Stückchen anders aus", so Dieter Steinecke, „Frauen bekommen in Deutschland auch heute noch bis zu 23 Prozent weniger Lohn und haben weniger Karrierechancen. Das macht es den Frauen unheimlich schwer."

Statements aus der Podiumsdiskussion

Katrin Budde (SPD)

„Es liegt noch ganz viel vor uns, denn in den letzten 15 Jahren ist einiges rückwärts gegangen", sagte Katrin Budde (SPD), „Aber wir haben trotzdem auch schon einiges erreicht. Negativ hob sie beispielsweise die noch immer bestehende Doppelbelastung für Frauen hervor, die Karriere machen möchten. Zudem müsse man gemeinsam an der Geschlechterquote arbeiten, zum Beispiel in Bezug auf die Gremienbesetzung. Da hänge man noch ganz schön hinterher.

Eva Feußner (CDU) und
Dr. Lydia Hüskens (FDP)

Eva Feußner (CDU) sprach von einer Stagnation und einem Rücklauf in den letzten Jahren. „Wir Frauen wollen nicht bevorteilt werden, sondern einfach nur nicht benachteiligt", hob sie hervor. Häufig werde fälschlicherweise von einer angestrebten Besserstellung gesprochen. Leider habe die Freiwilligkeit bei der Quotierung zu keinen Ergebnissen geführt, daher müsse sie ihrer Ansicht nach nun gesetzlich geregelt werden.

Laut Dr. Lydia Hüskens (FDP) gibt es nach wie vor Handlungsbedarf. „Wir Frauen haben leider genauso viele Rollenvorstellungen, die wir feinartig weitergeben und verfestigen", erklärte sie, „Wir müssen uns dies bewusst machen und den Mut aufbringen, aus diesen Rollen auszusteigen."

Cornelia Lüddemann (DIE GRÜNEN)

Cornelia Lüddemann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) betonte, dass zukünftig kleine Schritte notwendig sein werden. „Es geht um Veränderungen, die klein aussehen, aber die in der Masse für alle Frauen Verbesserungen bringen", erklärte sie.

Evelin Nitsch-Boek (Moderation)
und Wulf Gallert (DIE LINKE)

Auch Wulf Gallert (DIE LINKE) erklärte, man habe es in den letzten Jahren mit Rückschritten zu tun gehabt. Der Grund liegt laut ihm bei der Resignation der Parteien. „Ich bin der einzige Spitzenkandidat, der heute auch zu dieser Veranstaltung geht", machte er deutlich, „Deswegen glaube ich, dass die Politik das Problem und die Problemstellung unterschätzt."

Dieser Aussage begegneten die Politikerinnen des Podiums mit Kritik. Sie sähen sich nicht als zweitklassigen Ersatz. Schließlich seien sie nicht weniger kompetent.

Schließlich wurden die wichtigsten Forderungen des Landesfrauenrates Sachsen-Anhalt e.V. diskutiert, nämlich die eigenständige Existenzsicherung, die Abschaffung einer geringeren Wertigkeit von Berufen, in denen Frauen tätig sind, sowie die Festlegung einer Geschlechterquote.

Katrin Budde (SPD) räumte ein, man könne das Problem Quote bei der Gremienbesetzung nicht sofort lösen. Dies sei erst die zweite Stufe, da man zunächst die Frauen für die entsprechenden Ebenen und Funktionen befähigen müsse. Der unterschiedlichen Bezahlung werde ihre Fraktion durch eine höherwertige Ausbildung, beispielsweise im Beruf der Erzieherinnen, begegnen. Die Gleichmäßigkeit der Bezahlung müsse gemeinsam mit den Gewerkschaften erarbeitet werden und könne nur über tarifliche Systeme gelöst werden.

Eva Feußner (CDU) brachte an, dass im öffentlichen Bereich eine gesetzliche Quote festgelegt werden muss. Natürlich unter Einbezug der Forderungen von Tarifparteien. Mindestlöhne hingegen seien Sache der Tarifpartei. „Wir haben als Frauen nichts davon, einen Mindestlohn zu fordern", so die CDU-Politikerin. Ihrer Auffassung nach könnten viele Frauen ihre Stellen durch Mindestlöhne verlieren.

Demgegenüber erklärte Conny Lüddemann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), der Mindestlohn treibe die Menschen nicht in die Arbeitslosigkeit. Vielmehr stärke er die Wirtschaft. Weiterhin müssen zukünftig Mädchen motiviert werden, sich in anderen Bereichen zu engagieren. Der stereotypen Berufswahl könnte beispielsweise in der Ausbildung von Erzieherinnen oder in Schulen entgegengewirkt werden. Zudem müsse die Quote kommen, um Vorbilder zu schaffen.
Dr. Lydia Hüskens (FDP) verwies auf die Möglichkeit, in die Koalitionsvereinbarung die Quote von 40 Prozent festzuschreiben. Dies sei der Ansatz, der vom Landesfrauenrat eingefordert werden müsse.

„Ich befürworte die Quote, sowohl im öffentlichen Dienst als auch in der privaten Wirtschaft", verdeutlichte Wulf Gallert (DIE LINKE). Zudem sprach auch er sich für den gesetzlichen Mindestlohn aus. Die Voraussetzungen für die Aushandlung von Tarifbindungen seien beispielsweise bei Friseurinnen miserabel. Daher müsse man als Gesetzgeber eingreifen.

Nach Abschluss der Podiumsrunde, hatten die rund 100 Teilnehmenden die Chance bei einem Imbiss in tiefere Diskussionen einzusteigen.

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