Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Oft haben die einfachsten Mittel große Wirkungen erzeugt; sollte man sich fürchten, sie anzuwenden, weil sie einfach sind? Sollte man sich fürchten, ihre Umsetzung in Angriff zu nehmen, weil es eine Frau ist, die sie vorschlägt?
* Olympe de Gouges
17.02.2014

Augen auf gegen Gewalt: Kampagne "Ausbl!ck"

An 350 Standorten – von A wie Altmark bis Z wie Zeitz – blickt ab dem 20. Februar ein großes aufmerksames Auge von unzähligen Postkarten in Sachsen-Anhalt. Sie informieren zu Hilfsangeboten gegen Gewalt, lassen sich beschreiben und verschicken. Somit ist es vielleicht möglich, einer Freundin oder Bekannten mit einer Postkarte aus einer Notlage zu helfen.

Die Postkarten sind nur ein Teil der landesweiten Kampagne “Ausblick”, die betroffene Frauen, mögliche Unterstützungspersonen und gewaltausübende Männer über Hilfsangebote gegen Gewalt zu informiert und sie ermutigt, diese in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus soll die breite Öffentlichkeit für Gewalt im sozialen Nahraum (Häusliche und sexualisierte Gewalt, sowie Stalking) sensibilisiert werden.

Laut einer deutschen Studie erlebt jede vierte Frau in ihrem Leben mindestens einmal Gewalt durch ihren Lebenspartner. Doch ein Großteil der Opfer hat keine Möglichkeit professionelle Hilfe aufzusuchen. Wieso ist das so? Akteure des Unterstützungssystems gehen seit längerem dieser Frage nach und sind dabei auf ein interessantes Phänomen gestoßen. Die Dunkelziffer ist in den dörflichen Regionen viel höher als bis lang vermutet. Der ländliche Raum unterliegt scheinbar seinen ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten. Die Opfer unterliegen in den kleineren Ortschaften einer sozialen Kontrolle durch die Nachbarn. Jeder kennt jeden und alle pflegen eine gute Nachbarschaft. Doch wie soll eine geschlagene Frau in diesem Umfeld ungesehen die Polizei rufen, ohne Klatsch und Tratsch befürchten zu müssen? Zudem fehlt es in ländlichen Regionen an speziellen Beratungsangeboten, so dass viele Opfer gar nicht von Unterstützungsmöglichkeiten wissen.

Akteure des Unterstützungssystems haben sich hierzu Gedanken gemacht und die Kampagne “Ausbl!ck” ins Leben gerufen. Sie startete Ende letzten Jahres in einzelnen SBahnlinien. Jetzt wird Sie flächendeckend in ganz Sachsen-Anhalt Einzug halten.

Das Landesweite Netzwerk für ein Leben ohne Gewalt wurde im Jahre 2008 von der Landesintervention und -koordination bei häuslicher Gewalt und Stalking (LIKO) initiiert. Dieses Gremium, ein Zusammenschluss von Institutionen, ist aktiv gegen Gewalt im sozialen Nahraum tätig. Es setzt sich aus den Landesarbeitsgemeinschaften der Frauenzentren, der Frauenhäuser, der Interventionsstellen, der Beratungsstellen für Opfer sexueller Gewalt, der Täterberatung, der Fachstelle gegen Frauenhandel und Zwangsverheiratung in Sachsen-Anhalt, dem Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. sowie der Landesintervention und – koordination bei häuslicher Gewalt und Stalking zusammen. LIKO koordiniert, gestaltet und moderiert diese Netzwerkarbeit.

Nähere Informationen erteilt:
Der Paritätische Sachsen-Anhalt
Landesintervention und -koordination bei häuslicher Gewalt und Stalking
Dorit Schubert
0391- 6293523
liko@paritaet-lsa.de
www.liko-sachsen-anhalt.de

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