Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Verhältnisse treiben, statt sich von ihnen treiben zu lassen.
* Elise Bartels
20.08.2014

Pressemitteilung: Zusammenwachsen der Medien – wie positionieren sich Frauen in der fortschreitenden Medienkonvergenz?

Digitalisierung und technische Innovationen haben dazu geführt, dass die Möglichkeiten, sich zu informieren und Inhalte zu verbreiten, vielfältiger und komplexer geworden sind. Dadurch ist es schwieriger, die Seriosität der Informationen zu erkennen. Informationen und damit Medieninhalte werden zunehmend von einem Kulturgut zu einem Wirtschaftsgut. Dies hat Auswirkungen auf die Teilhabe an der demokratischen Gesellschaft. Auch medienschaffende Berufsbilder sind im Wandel: Journalistinnen sind nicht nur für den Inhalt verantwortlich, sondern auch für die auditive und visuelle Umsetzung zuständig. Traditionell weibliche Ausbildungsberufe (z. B. Cutterin) sind gefährdet. Konkurrenzdruck durch Verlagerung der Arbeit in die Freiberuflichkeit sowie zusätzlich durch sich ausweitenden Hobbyjournalismus nimmt zu. Die Medienkonvergenz führt zu zunehmend deregulierten Arbeitsverhältnissen. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste Stellungnahme des Medienpolitischen Ausschusses im Bayerischen Landesfrauenrat (im Volltext hier abrufbar.)

Der Bayerische Landesfrauenrat möchte daher den Blick für die Bedeutung der Medienkonvergenz schärfen. Er fordert

  • von den politisch Verantwortlichen die Informationsvielfalt zu erhalten, für Netzneutralität zu sorgen und die Infrastruktur im ländlichen Raum zu verbessern, um eine gleichberechtigte Teilhabe an der technischen Infrastruktur zu ermöglichen;
  • von den Medienunternehmen und Rundfunkanstalten ihrem Auftrag gemäß des Rundfunkstaatsvertrages zu erfüllen, indem sie ihre Programme nicht unter wirtschaftlichen Aspekten, sondern als Kulturträger und -vermittler gestalten und Arbeitsplätze gendergerecht beschreiben und bewerten;
  • von den Forschungseinrichtungen die Auswirkungen der Medienkonvergenz geschlechtergerecht zu untersuchen;
  • von den Schulen und Schulbehörden Jungen und Mädchen bei dem Umgang mit der Informationsfülle durch speziell auf sie zugeschnittene Angebote zu unterstützen und
  • von den Bildungsträgern gendergerechte Angebote zur Medienkompetenz.

Der Bayerische Landesfrauenrat appelliert

  • an Journalistinnen und andere weibliche Medienschaffende, sich im Bereich der konvergenten Medien für Führungsaufgaben zu positionieren;
  • an die Mediennutzerinnen, alle Informationen und Informationswege aufmerksam und kritisch zu prüfen;
  • an die entsendenden Parteien und Verbände, für eine geschlechtergerechte Besetzung der Medienaufsichtsgremien (Medienräte, Rundfunkräte, Deutscher Werberat, u. a.) zu sorgen.

8. August 2014
Hildegund Rüger
Präsidentin

Winzererstraße 9
80797 München
Tel: 089 1261-1520
Fax: 089 1261-1633
www.lfr.bayern.de

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