Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir sind Frauenstarkmacherinnen! Und das bedingt, dass man Wahrheiten laut und provokativ sagt.
* Monika Hauser
14.07.2014

Prostitution Kontroverse: Anhörung zum neuen Prostitutionsgesetz

Die Neuregulierung der Prostitution wird besonders zwischen Feministinnen und Frauenrechtlerinnen sehr kontrovers diskutiert. Die Forderungen reichen von einem Verbot der Prostitution bis zur Anerkennung der Selbstbestimmung von SexarbeiterInnen. Auf dieses Phänomen wies Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) anlässlich einer Anhörung des BMFSFJ zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes am 12. Juni 2014 hin.

Ziel der Bundesregierung sei es, eine realitätsnahe Lösung zu finden, die sowohl der Forderung nach Anerkennung nachkomme als auch die Situation differenziert berücksichtige. Einig waren sich die meisten der angehörten ExpertInnen, dass die auch vom Deutschen Frauenrat vertretene Trennung der beiden Themen Prostitution und Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung dringend erforderlich sei.

Paradigmenwechsel hinsichtlich Prostitution und Sexarbeiterinnen erforderlich
Einige Sachverständige forderten zudem eine breite, ethisch orientierte gesellschaftliche Debatte über einen Paradigmenwechsel hinsichtlich Prostitution und Sexarbeiterinnen. Dabei müsse auch benannt werden, was ein Gesetz zur Regulierung der Prostitution nicht regeln könne und wolle. Einzufordern sei zudem Respekt für diejenigen, die sich für Sexarbeit entscheiden. Eine Regulierung der Prostitution, so führten einige aus, bedürfe einer intensiven Befassung mit der Realität in den unterschiedlichen Bereichen des Sexgewerbes. Andere Themen, wie etwa der Ruf nach einer Bestrafung derjenigen, die willentlich und wissentlich Opfer von Menschenhandel ausbeuten, waren unter den ExpertInnen umstritten; ebenso die Anhebung des Schutzalters auf 21 Jahre, die Wiedereinführung einer verpflichtenden Gesundheitsuntersuchung sowie die Einführung einer Kondompflicht.

DF: Bessere Arbeitsbedingungen für Prostituierte im Vordergrund
„Es ist gut, dass die Bundesregierung die Regulierung der Prostitution und Bekämpfung des Menschenhandels getrennt behandelt und dies auch dadurch deutlich macht, dass die hierauf gerichteten Gesetzgebungsverfahren bei unterschiedlichen Ressorts angesiedelt wurden. Für den Deutschen Frauenrat ist es wichtig, dass die Neuregulierung der Prostitution in erster Linie einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen von SexarbeiterInnen dient. Auch die Anstrengungen, den Menschenhandel effektiver zu bekämpfen, begrüßen wir ausdrücklich. Allerdings wird die Glaubwürdigkeit der Maßnahmen deutlich größer werden, wenn hierbei nicht nur der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung im Fokus steht, sondern die Regelungen für alle Opfer von Menschenhandel, insbesondere diejenigen, deren Arbeitskraft ausgebeutet wird, gelten“, so Mona Küppers, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrates.

Prostitution in Deutschland – eine Argumentationshilfe
Um die emotional geführte Diskussion über Prostitution, die längst die europäische Ebene erreicht hat, zu versachlichen, hat eine Gruppe von Autorinnen nun eine aktuelle Argumentationshilfe veröffentlicht. Unter dem Titel Prostitution in Deutschland – Fachliche Betrachtung komplexer Herausforderungen rücken die Verfasserinnen, die als Feministinnen in ihrem Berufsalltag mit Prostituierten und Opfern von Menschenhandel arbeiten, die Rechte, die rechtliche Gleichstellung und den Schutz von Sexarbeiterinnen in den Mittelpunkt.

AutorIn: Henny Engels/Ulrike Helwerth
Erstellt am: Montag 30. Juni 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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