Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Für Frauen ist der vorgeblich sichere Hort der Familie ein sehr gefährlicher Platz: das Ausmaß an tätlicher Gewalt im privaten Zusammenleben ist ein unvorstellbar großes.
* Johanna Dohnal
08.12.2010

Steuersystem erschwert Müttern den beruflichen Aufstieg

Laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung und dem Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) erschwert das deutsche Steuersystem Müttern den beruflichen Aufstieg. Der Aufstieg von Minijobs in besser bezahlte Tätigkeiten lohnt sich in Deutschland kaum – im Gegensatz zu anderen Ländern.

Laut der Untersuchung verbleiben in einem typischen Vier-Personen-Haushalt (der Mann erzielt 100 Prozent des Durchschnittsverdienstes, die Frau 33 Prozent) von jedem zusätzlich verdienten Euro der Frau nur 50 Cent in der Familienkasse. Geringer sind die Grenzsteuersätze für Zweitverdiener in Dänemark 42 Prozent), Schweden (30 Prozent), Frankreich (23 Prozent), den Niederlanden (18 Prozent) und Österreich (15 Prozent). Damit wird Müttern und Alleinerziehenden im deutschen Steuersystem der Übergang in eine reguläre Beschäftigung erschwert.

In bestimmten Fällen liegt die Grenzbelastung noch höher. Übersteigt das Bruttoeinkommen der Ehefrau die 400-Euro-Grenze, muss die Einkommensteuer auf die gesamten Arbeitseinkünfte gezahlt werden. Beträgt das Bruttoeinkommen zum Beispiel 500 Euro, fallen bei einem Steuersatz von 25 Prozent (ohne Berücksichtigung von Vorteilen aus dem Ehegatten-Splitting) 125 Euro Einkommensteuer an. Das Nettoeinkommen liegt also mit 375 Euro unter dem eines 400 Euro-Jobs. Die gegenwärtige Minijob-Regelung wird damit zur “Geringfügigkeitsfalle”, aus der es sich zumindest aus finanziellen Gründen nicht zu entkommen lohnt.

Die Bertelsmann Stiftung schlägt vor, die Freigrenze von 400 Euro durch einen Freibetrag in entsprechender Höhe zu ersetzen. Im Gegensatz zu anderen Freibeträgen, die zwischen den Ehepartnern übertragbar sind, sollte der Minijob-Freibetrag ausschließlich dem Zweitverdiener zugutekommen und nicht dem Erstverdiener angerechnet werden, um Mitnahmeeffekte zu vermeiden. Damit ließen sich die hohen Grenzbelastungen oberhalb von 400 Euro entschärfen. Unterhalb der Einkommensgrenze würden weiterhin Grenz- und Durchschnittssteuersätze von 0 Prozent gelten. Mit entsprechenden Anpassungen im Familienleistungsausgleich könnten entstehende Steuerausfälle vermieden werden.

Minijobs, die in der Regel gering qualifiziert und niedrig entlohnt sind, bieten kaum Möglichkeiten für Weiterbildung und berufliche Entwicklung. Darüber hinaus werden nur geringe eigene Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben. Derartige Beschäftigungsverhältnisse führen nicht nur zu Finanzierungsausfällen in der Sozialversicherung und zu mangelnder Absicherung, sondern im Rahmen der Alterssicherung auch zu größerer Abhängigkeit von Frauen gegenüber dem Partner. Die Erwerbsintegration von Müttern über geringfügige Tätigkeiten hinaus zu verbessern würde es dagegen auch Vätern ermöglichen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren und somit insgesamt Haus- und Familienarbeit gleichmäßiger zu verteilen.

zur Pressemitteilung der Bertelsmann-Stiftung

zur Studie Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2010.Benchmarking Deutschland: Steigende Erwerbsbeteiligung, aber schwierige Übergänge

zur Pressemitteilung des Deutschen Frauenrates

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