Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Menschrechte haben kein Geschlecht.
* Hedwig Dohm
17.03.2014

Studie: Frauen sind belastet bis zur Erschöpfung

Die Doppelbelastung von Frauen hinterlässt ihre Spuren. Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung fühlen sich Frauen – egal ob in Teilzeit oder in Vollzeit beschäftigt – belasteter als Männer. Vor allem Frauen mit Kindern leiden an Müdigkeit und Erschöpfung.

Mehr als jede zweite Arbeitnehmerin mit einer Arbeitszeit zwischen 35 und 40 Stunden berichtete der Studie nach, im Laufe der Arbeitstage häufig erschöpft zu sein: Auf Mütter traf dies etwas häufiger zu (56%) als auf Frauen ohne Kinder (53%). Vollzeiterwerbstätige Männer dagegen fühlen sich seltener belastet. Nur 44 Prozent der Männer mit Kindern gaben an, sich matt und erschöpft zu fühlen, unter den kinderlosen Vollerwerbsmännern bejahten das nur 42 Prozent. Bei Arbeitszeiten von mehr als 41 Stunden und mehr erhöhten sich die Werte. Hier berichteten sogar zwei Drittel aller Mütter von Müdigkeit, Mattigkeit oder Erschöpfung (Väter: 48,7%).

Frauen häufig in strapaziösen Berufen tätig
Die Studienautorin Christina Klenner führt die Ergebnisse auch darauf zurück, „dass Frauen häufiger in Berufen arbeiten, in denen überdurchschnittlich viele Beschäftigte eine mengenmäßige Überforderung bei der beruflichen Arbeit beklagen.” Dazu zählt die WSI-Forscherin etwa die Sozial- und Erziehungsberufe, Gesundheitsberufe und andere Dienstleistungen.

Teilzeitjob ohne Kinder: kaum Geschlechterunterschiede in der Belastung
Weniger erschöpft fühlen sich Frauen mit einem Teilzeitjob. Sie kommen auf ähnliche Belastungswerte wie die wenigen in Teilzeit arbeitenden Männer – allerdings nur die Frauen ohne Kinder. Mit Kindern driften die Werte wieder auseinander: Mütter in Teilzeit waren an Arbeitstagen deutlich häufiger erschöpft (45,3%) als Väter mit reduzierter Arbeitszeit (37,8%). Damit, so Klenner, erkläre sich, weshalb viele Frauen eine Teilzeitarbeit vorzögen, obwohl das mit Nachteilen beim Einkommen, bei den Aufstiegschancen oder bei der Rente verbunden sei. “Einen Ausweg aus dem Dilemma zwischen Zeitnot mit häufiger Erschöpfung bei den Vollzeitbeschäftigten und Karriereverzicht bei Teilzeitarbeitenden würden generell kürzere Arbeitszeiten für die Familienphase bieten”, empfiehlt die WSI-Forscherin. Die sollten künftig auch für Väter normal sein.

Buls: Arbeitszeitverkürzung darf kein Tabu sein
Bundesfrauenministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte sich im Januar für eine Kürzung der Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden für beide Elternteile ausgesprochen. Die IG-Metall ging sogar noch einen Schritt weiter und hatte eine 30-Stunden Woche für Familien gefordert. Auch der Deutsche Frauenrat hatte sich in die Debatte eingemischt: Die Vorsitzende Hannelore Buls hatte sich für kürzere und familiengerechte Arbeitszeiten ausgesprochen und den Vorstoß der Frauenministerin unterstützt: „Der besondere Charme ihres (der Ministerin, Anm. der Red.) Vorschlages besteht darin, dass beide Elternteile gleichzeitig ihre Arbeitszeit verkürzen und somit ihre Familienaufgaben gleichberechtigt aufteilen können. Über eine Verkürzung der Regelarbeitszeiten nachzudenken, darf kein Tabu sein“, so Buls. Schwesigs Vorschlag für eine teilweise steuerfinanzierte Arbeitszeitverkürzung war allerdings beim Koalitionspartner CDU/CSU nicht auf Gegenliebe gestoßen.

AutorIn: Nathalie Sopacua
Erstellt am: Montag 03. März 2014

Quelle: Deutscher Frauenrat e.V.

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