Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Es würde viel weniger Böses auf Erden geben, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.
* Marie von Ebner-Eschenbach
05.09.2016

Studie zu Gleichstellungspolitik: Geschlechtergerechtigkeit in Europa

Rechtspopulistische Strömungen sind in Europa auf dem Vormarsch. Gleichstellungspolitische Errungenschaften werden als „Gender-Wahn“ diffamiert und bekämpft. Wie aber ist der Status Quo in Sachen Gleichstellung in anderen Ländern? Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gibt Antworten.

Meistens sind es nur Bruchstücke von Debatten, die aus europäischen Nachbarländern auch in den hiesigen Medien abgebildet werden. Derzeit etwa wird die Frage nach einem Burka-Verbot in Frankreich in Verbindung mit der innenpolitischen Sicherheit gebracht. Aber welche gleichstellungspolitischen Fragen werden in anderen Ländern diskutiert? Welcher Handlungsbedarf besteht dort? Wo scheint so etwas wie Geschlechtergerechtigkeit auf? Und wo können wir von den Erfahrungen anderer lernen?

Frage nach progressiver Geschlechterpolitik
Es sind die großen Linien einer progressiven Geschlechterpolitik nach denen die Studie „Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit?“ der Friedrich-Ebert-Stiftung fragt. Dazu wurden neun Länder untersucht: neben Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Schweden, der Schweiz und Ungarn auch die USA.

Aggressive Anti-Gender-Rhetorik bis in gesellschaftliche Mitte hinein
Der Untersuchung stellt der Referatsleiter Internationale Politikanalyse der FES, Dr. Michael Bröning, die Beobachtung voran, dass es neben der unterschiedlichen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern derzeit länderübergreifend eine Art „Kulturkampf“ gebe, der die gleichstellungspolitischen Errungenschaften gefährde: „Als Beispiel sei hier nur das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen genannt. Sie machen mit aggressiver Anti-Gender-Rhetorik bis weit in die ge­sellschaftliche Mitte hinein Stimmung gegen progressive Familien-und Geschlechterpolitik. Dabei diskreditieren sie ausgerechnet die Positionen als »überkommen« und »totalitär«, die dazu gedacht sind, Spielräume von Frauen und Männern zu erweitern. Geschlechter-und Familienpolitik ist dabei zum umkämpften Symbolthema, ja bisweilen sogar zum Teil eines Kulturkampfs gewor­den.“

Entwicklungen vergleichbar machen
In der Studie selbst wird in jedem Kapitel ein Land unter die Lupe genommen und unter der Überschrift „Daten und Fakten“ werden neben Gender Equality Index und Gender Pay Gap etwa auch Steuerrecht, Elternzeit, Kinderbetreuung, Beschäftigungsquote und Rentensystem auf ihre Geschlechtergerechtigkeit hin untersucht. Auch der Frauenanteil in Führungspositionen wird analysiert sowie die Rechte von homosexuellen Paaren. Erklärtes Ziel: die Entwicklungen vergleichbar machen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der Übersichtlichkeit halber gerade im Kapitel „Daten und Fakten“ eine tabellarische Ansicht der Ergebnisse wünschenswert wäre.

Gleichstellungspolitische Fortschritte über parteipolitische Gräben hinweg
Neben den Fortschritten, die in den vergangenen Jahren in Sachen Gleichstellungspolitik gemacht wurden – auch über parteipolitische Gräben hinweg – werden in weiteren Abschnitten aktuelle Debatten abgebildet sowie geschlechterpolitische Positionen im Mitte-Links-Spektrum.

Vorbildcharakter von Gleichstellungspolitik
Dass es von unseren Nachbarländern allerhand zu lernen gibt, sei hier nur exemplarisch aufgezeigt. Das Rentensystem in Dänemark ist etwa so organisiert, dass „eine vorübergehende Reduktion des Arbeitspensums zwecks Kindererziehung gut kompensiert wird. Dauert die Reduktion weniger als 10 Jahre, ist die Rente fast gleich hoch wie bei Vollzeit-Arbeitenden“. Hierzulande liegt der Gender Pension Gap bei 59,6 Prozent. Er ist im europäischen Vergleich einer der höchsten. In Österreich liegt er etwa bei 34 Prozent, in Schweden bei 33 Prozent.

Gleichstellungspolitik wirkt sich auf Wettbewerbsfähigkeit aus
Im jährlichen Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums zeigt sich immer wieder, dass Gleichstellung nicht nur eine Frage der Gleichberechtigung ist, sondern dass sie sich auch auf die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit eines Landes auswirkt. So dürfte die Frage auch sein, wie Gleichstellungspolitik künftig so kommuniziert wird, dass die Vorteile für eine breite Bevölkerungsschicht (wieder) deutlich werden.

Weitere Informationen:
Auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit – Berichte aus Dänemark, Deutschland, Frankreich,Großbritannien, Österreich, Schweden, Schweiz, Ungarn und USA

Quelle: Deutscher Frauenrat

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