Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Haben und nicht geben ist in manchen Fällen schlimmer als stehlen.
* Marie von Ebner-Eschenbach
24.01.2015

Unterschiedliche Dynamiken bei arbeitslosen Frauen und Männern

Frauen tun sich nicht schwerer als Männer, wenn es darum geht, einen neuen Job zu finden. Aber sie verlieren ihre Stelle häufiger, wie eine internationale Studie zeigt.
Warum unterscheiden sich die Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen? Diese Frage hat der griechische Ökonom Franciscos Koutentakis anhand von Arbeitsmarktstatistiken aus zehn Ländern für den Zeitraum 1984 bis 2012 untersucht: Belgien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Norwegen, Portugal, Spanien und USA. Der Wissenschaftler hat für jedes Land und nach Geschlechtern getrennt zwei Indikatoren berechnet. Die „job finding rate“ gibt an, wie häufig arbeitslose Männer oder Frauen wieder eine neue Stelle finden. An der „separation rate“ lässt sich ablesen, wie oft Beschäftigte ihren Job verlieren oder freiwillig aufgeben. Es zeigt sich: In puncto „job finding“ sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht sehr groß. Die „Trennungsrate“ liegt bei den Frauen jedoch meist deutlich höher.

„Frauen sind nicht im Nachteil, wenn es darum geht, eine neue Beschäftigung aufzunehmen, aber ihnen fällt es schwerer, den Job auch zu behalten“, so der Wissenschaftler. Dies könne nicht mit unterschiedlichen Wachstums- oder Schrumpfungsprozessen in Branchen mit hohem Frauen- beziehungsweise Männeranteil erklärt werden. Denn das würde sich auch in der „job finding rate“ niederschlagen. Vielmehr sind es Koutentakis zufolge neben weniger sicheren Beschäftigungsverhältnissen in typischen Frauenbranchen familiäre Verpflichtungen, die Frauen zur Unterbrechung der Erwerbstätigkeit zwingen. Hier seien mehr flexible Arbeitszeitarrangements nötig, um Frauen die Vereinbarkeit von Job und anderen Aufgaben zu erleichtern.

Dass sich die Position der Frauen auf dem Arbeitsmarkt relativ zur Lage der Männer in vielen Ländern in den vergangenen Jahren verbessert habe, liege im Übrigen einfach daran, dass die jüngste Rezession vor allem Männer getroffen habe – durch heftige Einbrüche in Industrie und Bauwirtschaft.

Quelle: Hans Böckler Stiftung

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