Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wir wollen lieber fliegen als kriechen.
* Louise Otto-Peters
30.04.2014

Stellungnahme des Landesfrauenrates zur Hochschulstrukturplanung für das Land Sachsen-Anhalt in der Fassung vom 27.03.2014

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. bedankt sich für die Möglichkeit, zur Hochschulstrukturplanung des Landes Stellung zu nehmen. Vor allem die gleichstellungspolitischen Ziele und deren Umsetzung in Sachsen-Anhalt stehen natürlich im Fokus der Arbeit des Landesfrauenrates.

Auf seiner Delegiertenversammlung am 29.03.2014 haben die Mitgliedsverbände des Landesfrauenrates folgenden Beschluss gefasst:

„Die Delegiertenversammlung möge beschließen, dass der Landesfrauenrat sich aktiv für den Erhalt der sozialen Fachrichtungen und den Human- und Medienwissenschaften an den Universitäten und Hochschulen im Land Sachsen-Anhalt einsetzt, da eine Schließung der Fakultäten und eine Verlagerung der Fachrichtungen in andere Bundesländer besonders Studentinnen und weibliche Wissenschaftlerinnen/ Angestellte betreffen würde und eine massive geschlechtsspezifische Benachteiligung darstellt und dem Ansatz, die Abwanderung von gut qualifizierten Frauen aus Sachsen-Anhalt zu stoppen, im hohen Maße entgegensteht.“

Der vorliegende Entwurf des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft widerspricht unserer Meinung nach den Beschlüssen des Landtages und den Aussagen, die im so genannten Bernburger Frieden, manifestiert wurden.

Der Landtag hat sich aus gutem Grund gegen eine Absenkung der Studierendenzahlen und der Zahl der Studienplätze ausgesprochen. Die nun vorliegende Struktur weist den Wegfall von 3328 Studienplätzen aus.

Die Hochschulstruktur sieht Schließungen vor:

Universität Magdeburg:

  • gesamte Humanwissenschaftliche Fakultät

Universität Halle:

  • Kommunikations- und Medienwissenschaften
  • Psychologie
  • Informatik
  • Sportwissenschaften
  • Geografie
  • Studienkolleges.

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt kritisiert die mangelnde Transparenz im gesamten Verfahren. Für eine fachlich qualifizierte Stellungnahme müsste zunächst geklärt werden,

  • auf welcher Grundlage ist das Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft zu den Entscheidungen gekommen (abseits von den Empfehlungen des Wissenschaftsrates)
  • ob die betroffenen Fakultäten ihre Lehre und Forschungsaufgaben nicht erfüllen und
  • sind Recherchen/ Untersuchungen vom Ministerium in Auftrag gegeben worden, um die wissenschaftliche Zusammenarbeit der Fakultäten mit der Wirtschaft zu prüfen.

Aber vor allem interessiert uns, ob bei den vorliegenden Strukturmaßnahme geprüft wurde, ob sie Männer und Frauen unterschiedlich betreffen und wenn ja, wie hier gehandelt werden muss, um eine Benachteiligung zu verhindern.

Universitäten sind zugleich Wissensgenerator, Bildungsvermittler, Arbeitgeber sowie Auftraggeber und hochrangiger regionaler Wirtschaftsfaktor für ihren Standort und die umgebende Region. Zu dem leisten Sie einen bedeutsamen Beitrag im Hinblick auf die demografische Entwicklung in unserem Bundesland. Hier schließt sich der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt voll umfänglich der vorliegenden Stellungnahme der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Universitäten und Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt an. In der heißt es: „Es werden sich fatale Folgen für die Wirtschaft in unserer Region zeigen, denn Universitäten und Hochschulen sind auch für die demografische Entwicklung äußerst bedeutsam. In Zeiten der bildungshomogamen Partnerschaften bedeutet der Verlust der Frauen im gebärfähigen Alter auch einen Verlust der Männer und damit eine Verschärfung der demografischen Situation in Form einer weiteren Alterung der Bevölkerung.“

Der Beschluss des Landtages, die Entwicklung der Hochschulen gemeinsam mit Rektoren, Studierenden, Personalvertretungen auf der Grundlage der Empfehlung des Wissenschaftsrates zu erarbeiten, wurde vom Ministerium nicht erfüllt.

Ergebnis der Schließung bedeuten auch Finanz- und Forschungsverluste, welche hier an einigen Beispielen benannt werden sollen:

  • Die Medienwissenschaften und das Medienzentrum sind in enger Kooperation. In den letzten Jahren wurden weltweite große Erfolge durch ihre gemeinsamen Projekte erzielt. (Zum Beispiel: www.schmidtzkatze.eu – Oscar Nominierung 2012 – ansässig im Mitteldeutschen Multimediazentrum Halle). Das Mitteldeutsche Multimediazentrum Halle bietet Studierenden Workshops, Seminare und Ringvorlesungen zu betriebswirtschaftlichen und existenzgründungsrelevanten Themen sowie einen jährlich stattfindenden Ideenwettbewerb Scidea für innovative Produkte und Ideen. Diese Konstellation ist eine Werbung für Sachsen-Anhalt.
  • Unberücksichtigt sind die unmittelbaren regionalwirtschaftlichen Impulse, die sich praktisch durch wissenschaftliche Zusammenarbeit von Wissenschaftseinrichtungen und Wirtschaft für die Standorte ergeben. Damit wird die Wechselbeziehung zwischen Wissenschaft und wissenschaftsnaher Wirtschaft zerstört.
  • Die Schließung des Studienkolleges in Halle ist gegen die Internationalisierung der MLU gerichtet, denn die Struktur beinhaltet die Förderung der Internationalisierung.

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt schließt sich den Forderungen der Landeskonferenz der Hochschulen an, die vorliegenden Vorschläge zur Umstrukturierung zu überprüfen. „Es liegt nicht nur im Interesse der Hochschulen, sondern muss auch in dem des Landes sein, ein für beide Geschlechter ausgewogenes Studienangebot bereitzustellen. Dadurch kann in Zeiten des wachsenden Fachkräftemangels diesem gezielt entgegen gewirkt werden ebenso wie der weiteren der Überalterung der Bevölkerung. Nur so können die Aufgaben des Landes in ihrer Komplexität zukünftig erfüllt werden. Die Realisierung der von der Regierung angestrebten Sparmaßnahmen im Hochschulbereich darf keinesfalls zu Lasten der Frauen in unserem Bundesland gehen.“

Der Landesfrauenrat Sachsen-Anhalt e.V. in Zusammenarbeit mit der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Universitäten und Hochschulen und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Die Stellungnahme finden Sie hier.

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