Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Menschrechte haben kein Geschlecht.
* Hedwig Dohm

Grit Michelmann

Grit Michelmann

Grit Michelmann

1. Welche frauenpolitische Ziele wollen Sie in der nächsten Wahlperiode des Bundestages umsetzen?

Es gibt noch so viel zu tun, aber die Schließung des Gender Pay Gap muss mit an erster Stelle stehen, denn nur eine spürbare Verbesserung ihrer Erwerbssituationen kann die Eigenständigkeit von Frauen stärken. Die grünen Forderungen reichen hier von einem Entgeltgleichheitsgesetz für alle Betriebe, über eine Reform der Minijobs hin zu regulären Anstellungsverhältnissen bis hin zu einer Aufwertung und besseren Bezahlung von noch immer hauptsächlich von Frauen ergriffenen Berufen im Sozial- und Pflegebereich.
Zu dieser Aufgabe gehören für mich auch die grünen Vorschläge zur Verbesserung der Kinderbetreuung, wie der Ausbau bezahlbarer Betreuungsangebote bis hin zum Rechtsanspruch auf flexible Arbeitszeit oder Rückkehr in Vollzeit, auch wenn das alles nur erste Schritte sein können. Denn es bleibt in Unding, dass in unserer Gesellschaft der größte Teil von Care-Arbeit und Kindererziehung von Frauen geleistet wird, oft genug unbezahlt und unzureichend bei der Rente anerkannt. Hier ist noch viel Gleichstellung zwischen den Geschlechtern und rechtliche sowie finanzielle Anerkennung durchzusetzen.
Ein besonderes persönliches Anliegen ist mir zudem die Sicherung der freien Geburtshilfe und die Erleichterung der Arbeit von Hebammen durch die Befreiung von unzumutbaren Versicherungskosten sowie verbesserter Bezahlung und Arbeitsbedingungen. Wir Grüne wollen, dass Krankenhäuser mit Geburtsstationen überall verfügbar sind, auch in ländlichen Regionen und eine Betreuung durch Hebammen in der Schwangerschaft für jede Frau verfügbar wird, die dies wünscht.

2. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Ja.

3. Was ist ihr Vorschlag im Kampf gegen Frauenarmut?

Selbstbestimmung auch im Alter durchzusetzen, bleibt wichtige Herausforderung für Politik. Der wichtigste und zwingendste Schritt ist die Herstellung von einklagbarer Lohngleichheit und Diskriminierungsfreiheit durch beispielsweise das von uns Grünen geforderte Entgeltgleichheitsgesetz. Ein nächster Baustein muss die Abschaffung von insbesondere Frauen benachteiligenden Gesetzesregelungen wie Minijobs oder Ehegattensplitting sein, denn diese führen oft genug zur Erwerbstätigkeit von Frauen weit unter ihren Möglichkeiten. Ein nächster Baustein sind die erwähnten Flexibilisierungen im Arbeitszeit bis hin zu einem Rückkehrrecht in Vollzeit nach Pflegezeiten. usw., dritter Schritt Anerkennung von Pflege- und Erziehungszeiten bei der Rente. Wir wollen Frauen mit Förderprogrammen dabei unterstützen sich selbstständig zu machen. Wir brauchen ein Mindestniveau in der Rentenversicherung mit einer Garantierente und endlich die faire Abbildung von Pflegezeiten bei der Rentenberechnung.

4. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste frauenpolitische Meilenstein der letzten Jahre?

Die Reform des Sexualstrafrechts, weil damit viele Rechtslücken geschlossen wurden und nun endlich der erkennbare Willen von Frauen im Vordergrund steht. Dies ist ein echter Fortschritt für die sexuelle Selbstbestimmung.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Frauenquote für Aufsichtsräte. Obwohl in der Gesetzesausgestaltung und Durchführung deutlich defizitär, stellt es doch ein wichtiges Symbol dafür, dass ich die Lohnungleichheit als politisches Thema nicht mehr ignorieren lässt.
Nicht vergessen werden soll an dieser Stelle, was nicht erreicht wurde, obwohl längst als Problem bekannt und von vielen Aktivistinnen seit Jahrzehnten benannt – die frustrierende Ungleichbehandlung von Frauen beim Lohn, in Gesundheitsfragen und vielen anderen Bereichen. Es gibt noch viel zu verbessern.

Kontakt
Grit Michelmann
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landesliste Platz 3
Direktkandidatin im Wahlkreis 72 Halle
grit.michelmann@gruene-lsa.de
http://www.gruene-in-halle.de/2017/08/grit-michelmann/
https://www.facebook.com/grit.michelmann

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