Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Für Frauen ist der vorgeblich sichere Hort der Familie ein sehr gefährlicher Platz: das Ausmaß an tätlicher Gewalt im privaten Zusammenleben ist ein unvorstellbar großes.
* Johanna Dohnal

Birke Bull

Birke Bull

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1. Welche frauenpolitischen Ziele wollen Sie in der nächsten Wahlperiode des Bundestages umsetzen?

Dreh- und Angelpunkt sind – wie ich finde – immer noch die ungleichen Einkommenschancen zwischen Frauen und Männern. Frauen erhalten rund 20% weniger Einkommen. Eine Frage bringt es auf den Punkt: Weshalb zahlen wir eigentlich Menschen, denen wir unsere Kinder anvertrauen, viel weniger Geld als jenen, denen wir unser Geld anvertrauen?
Vor allem als Bildungspolitikerin ärgert es mich, dass Erzieherinnen, die Kindern schon sehr früh helfen, die Welt zu entdecken und klüger zu werden, im Vergleich zu Mechanikern so viel weniger Geld bekommen. Einkommenstransparenz kann nur ein erster Schritt sein. Die Gleichwertigkeit so genannter typischer Frauen- und Männerberufe muss umgesetzt werden.

2. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Ich finde, die Welt ist zu komplex, um meiner Sicht auf die Dinge ein einziges Etikett zu geben. Mir ist wichtig, sensibel zu sein dafür, wie sich Politik auf die unterschiedlichen Lebenslagen von Menschen auswirken – auf Frauen und Männer, aber auch auf alte und junge, auf Menschen aus vielfältigen Kulturen und mit unterschiedlicher körperlicher Verfassung. Die Geschlechterfrage begleitet mich, seit ich Politikerin bin und hat mich sehr geprägt. Ich habe aber gelernt, dass soziale Hintergründe das Leben von Menschen in vielfältiger Weise prägen. Der Begriff Feministin ist mir zu eng.

*3. Was ist ihr Vorschlag im Kampf gegen Frauenarmut?*

Ein-Elternfamilien sind in den allermeisten Fällen alleinerziehende Frauen mit Kindern. Sie werden nicht selten verbal zum Armutsrisiko erklärt. Alleinerziehende Frauen sind besonders von Armut gefährdet, ja. Aber es macht einen großen Unterschied, ob sie selbst das Risiko sind oder ob ihre Lebensform zum Risiko gemacht wird. Eine Kindergrundsicherung muss ein erster Schritt sein, weil er alleinerziehende Frauen entlastet. Auch gut bezahlte und elternfreundliche Arbeit sind effektive Mittel. Frauen würden zum Beispiel am meisten von einem Mindestlohn profitieren, und zwar einem, der vor Altersarmut schützt. Der Pflegemindestlohn von 9.50€ im Osten illustriert, dass vor allem Frauen gefährdet werden. 12 Euro müssen das Mindeste sein.

*4. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste frauenpolitische Meilenstein der letzten Jahre?*

Meilensteine sind selten in der Politik, weil ziemlich dicke Bretter zu bohren sind. Aber ein paar Meilensteinchen gab es schon. Eine kleine Frauenquote, die ca. 100 Unternehmen in Deutschland das gelbe Kärtchen zeigt, mehr Frauen in den Führungsetagen zu platzieren. Das Vorhaben der Entgeltgleichheit wurde auf die Forderung nach Transparenz zurückgestutzt. Besser als gar nichts, aber weit am Ziel vorbeigeschrammt. Auch die Reform des Sexualstrafrechts – “Nein heißt nein!” war ein lange überfälliger Schritt in die richtige Richtung.
Aber in Großen Koalitionen ist das so: Der kleinste gemeinsame Nenner ist halt nur ein kleiner. Muss man nicht mehr haben!

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