Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Die Erziehung, welche bis jetzt mit wenigen Ausnahmen das weibliche Geschlecht genoss, lief darauf hinaus, die Frauen unselbstständig zu erhalten und ihr eigenes Urteil von den Urteilen anderer abhängig zu machen.
* Louise Otto Peters

Eva von Angern

Eva von Angern (DIE LINKE)

Eva von Angern (DIE LINKE)

1. Welche frauenpolitischen Ziele wollen Sie in der nächsten Wahlperiode des Bundestages umsetzen?

Bis zur Herstellung wirklicher Gleichheit zwischen den Geschlechtern wird sich in Politik und Gesellschaft noch einiges tun müssen. Frauen verdienen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer – trotz gleicher Qualifikation und gleichwertiger Arbeit. Zudem leisten sie im häuslichen Bereich und der Pflege den überwiegenden Teil der Arbeit. Um dieses Ungleichgewicht auszubalancieren, bedarf es u.a. neuer Arbeitszeitmodelle: für Frauen UND Männer. Dabei wären eine Arbeitszeitverkürzung auf 30 Wochenstunden oder ein Sechs-Stunden-Tag – bei vollem Lohn- und notwendigem Personalausgleich – denkbar. Darüber hinaus würde ich mich gern dafür einsetzen, dass künftig gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit gezahlt wird und es eine gerechte Verteilung von Erwerbsarbeit, unbezahlter Hausarbeit, Kindererziehung und Betreuung und Pflege gibt. Auch brauchen wir ein umfassendes Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft und eine Frauenquote von 50 Prozent für alle Aufsichtsräte und die Vorstände aller Unternehmen.
Die Stärkung der Frauenrechte und der Schutz vor Gewalt liegen mir besonders am Herzen. Dazu gehört das Recht der Frauen auf sexuelle Selbstbestimmung und Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Die in der Prostitution Tätigen müssen gestärkt und geschützt werden. Jeder Mensch – unabhängig von Herkunft und Geschlecht – muss vor Gewalt geschützt werden. Frauen und Kinder sind besonders häufig betroffen. Dazu bedarf es eines Gesetzes, das den Rechtsanspruch auf sofortigen Schutz und umfassende Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen UND deren Kinder – ohne Nachweispflicht – garantiert. Schutz- und Hilfseinrichtungen müssen einzelfallunabhängig, pauschal und verlässlich finanziert werden, sowie barrierefrei sein. Staatliche Behörden (Polizei, Gerichte und Ämter) und Krankenhäuser müssen für das Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder noch viel stärker sensibilisiert werden. Die Gewalt gegen zugewanderte Frauen aus Kriegs- und Krisengebieten und deren Kinder muss zusätzlich differenziert betrachtet werden. Ihr Schutz in Flüchtlingsunterkünften ist immer noch mangelhaft. Hier steht die aufnehmende Gesellschaft – also wir – in der Pflicht. Eine sorgsame Schulung des Personals in den Unterkünften, die bedürfnisorientierte Unterbringung und Bereitstellung ausreichender Schutzräume für die betroffenen Frauen und Kinder sind unabdingbare Voraussetzungen einer wirksamen Gewaltprävention.

2. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Für mich bedeutet „Feministin“ zu sein, dass ich mich für die Gleichstellung von Frauen und Männern – und Jungen und Mädchen – in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft einsetze und deshalb kann ich die Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten. Ich denke, dass es für eine demokratische und emanzipierte Gesellschaft unabdingbar ist, ALLE Menschen mit gleichen Rechten und Pflichten auszustatten, damit sie sich frei und ohne jegliche Zwänge von außen entfalten können.

3. Was ist Ihr Vorschlag im Kampf gegen Frauenarmut?

Es gibt viele Faktoren, die das Risiko der Frauenarmut – hier auch insbesondere die Altersarmut – enorm begünstigen. Der Niedriglohnsektor wächst beständig in den Berufszweigen, die von Frauen dominiert werden, z.B. Dienstleistungsberufe wie Verkäufer*in, Friseur*in, Masseur*in oder Gebäudereiniger*in. Zudem arbeiten viele Frauen – speziell Alleinerziehende – häufig ungewollt in Teilzeit. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden.
Eine Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro wäre ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber auch neue Arbeitszeitmodelle (wie bereits in Frage 1 beschrieben), ein individuelles Recht auf Teilzeit (verbunden mit dem Rückkehrrecht auf die vorherige Arbeitszeit), die Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge und sozialer Dienstleistungen sowie eine ganztägige Kitabetreuung und Ganztagsschulen sind unerlässliche Maßnahmen, um das Risiko für Frauen, gegenwärtig und/oder im Alter von Armut betroffen zu sein, zu minimieren.

4. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste frauenpolitische Meilenstein der letzten Jahre?

Ich möchte diese Frage zunächst historisch beantworten: Zum einen das Erstreiten des Frauenwahlrechts und zum anderen das uneingeschränkte Recht der Frau auf Erwerbstätigkeit.
Ich habe diese Beispiele gewählt, da sie ohne Zweifel frauenpolitische Meilensteine darstellen, aber beide uns etwas Wichtiges lehren: nämlich dass ein verankertes Recht nicht gleichbedeutend mit dessen vollumfänglicher Realisierung ist und dass Gleichstellung etwas ist, um das nach wie vor gerungen werden muss.
Darum werde ich mich für ein Paritégesetz einsetzen, das (wie in vielen Ländern bereits üblich) die Parteien dazu verpflichtet, ihre Wahllisten und Wahlkreise geschlechterparitätisch aufzustellen. Bisher ist das in Deutschland nämlich noch Zukunftsmusik.
Die Realisierung der Gleichstellung der Geschlechter ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert neben den notwendigen Gesetzen und Verordnungen auch und gerade die beständige Sensibilisierung der Gesellschaft und ein Umdenken in allen Bereichen des Lebens – sei es öffentlich oder privat.

Kontakt
Eva von Angern
Direktkandidatin der Partei DIE LINKE für Magdeburg (Wahlkreis 69)
Homepage: www.evavonangern.de
Wahlkreisbüro: Eva von Angern Moritzstraße 1 39124 Magdeburg Telefon: 0391/ 99 06 82 82

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