Landesfrauenrat
Sachsen-Anhalt e.V.
Wenn das Recht einer jungen Frau auf Unversehrtheit wirklich ernst genommen würde, gäbe es Selbstverteidigung für Frauen als Schulfach. Stattdessen lernen wir nach wie vor Anpassung.
* Luisa Francia

Marina Kermer

Marina Kermer (SPD)

Marina Kermer (SPD)

1. Welche frauenpolitischen Ziele wollen Sie in der nächsten Wahlperiode des Bundestages umsetzen?

Die Belange von Frauen sind in allen gesellschaftlichen Bereichen betroffen und werden deshalb bei allen Zielen der SPD berücksichtigt. Denn Frauenpolitik ist Gesellschaftspolitik. Das zu verdeutlichen ist das Ziel der SPD in allen Politikfeldern.

Das Hauptaufgabengebiet bleibt dabei für mich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn die wirtschaftliche Absicherung von Frauen ist die Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben.
Deshalb möchte ich hier nur einige Maßnahmen aufgreifen, die die SPD in ihr Regierungsprogramm aufgenommen hat. Der Querschnitt verdeutlicht vor allem den übergreifenden Ansatz und zeigt wie wichtig die Förderung und Gleichstellung von Frauen für uns ist.

Um alle Maßnahmen zu bündeln und zu erfassen wollen wir einen Aktionsplan Gleichstellung auf-stellen. Damit sollen verschiedene Maßnahmen begleitet und unterstützt werden.

Im Bereich der Bildung wollen wir junge Frauen stärker motivieren, sich für geschlechterneutrale Berufe zu entscheiden. Das gilt für Ausbildung und Studium gleichermaßen. Nach dem Studium sollen Frauen, die sich für eine berufliche Laufbahn in der Wissenschaft entscheiden, durch eine Frauenquote von mindestens 40 % in der Wissenschaft gestärkt werden. Im Laufe des Berufslebens wird es immer wieder Phasen der Fort- und Weiterbildung geben. Deshalb muss die Kinderbetreuung auch für Phasen der Weiterbildung gewährleistet sein.

Auch im Geltungsbereich des SGB II soll eine/ Beauftragte/r für Chancengleichheit eingeführt wer-den. Und bei der Beschäftigungsförderung von Frauen muss im Falle der Arbeitslosigkeit die Arbeitsförderung vereinbar mit Familienaufgaben sein.

Frauen brauchen wirtschaftspolitisch andere Unterstützung als Männer. Viele sind noch zögerlich, sich Selbstständig zu machen und eigene Betriebe zu gründen. Wir wollen sie mit einer Unterneh-mensgründungsinitiative motivieren und unterstützen, mehr eigene Unternehmen zu starten.

Noch immer verfügen Frauen durch häufige Teilzeittätigkeit über relativ niedrige Einkommen. In diesen unteren Einkommensbereichen werden nur geringe oder keine Steuern gezahlt, aber die Belastung durch die Sozialabgaben ist hoch. Deshalb wollen wir durch gezielte sozialpolitische Maßnahmen die Entlastung von geringen Einkommen von Sozialabgaben.

Die Belange von Frauen in ländlichen Raum brauchen besondere Berücksichtigung, um Mobilität und damit Erwerbstätigkeit zu sichern.

Für alle Frauen, die auf der Flucht zu uns kommen, muss die geschlechtergerechte Unterbringung von geflüchteten Frauen gewährleistet sein. Darüber hinaus gibt es Fluchtursachen, die nur Frauen treffen. Wir wollen eine bessere Anerkennung von geschlechtsspezifischen Fluchtgründen erwirken.

Beim Bürgerschaftlichen Engagement zeigt sich die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Frauenpolitik ganz deutlich: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch Voraussetzung, dass Frauen sich bürgerschaftlich engagieren können. Denn das tun sie in allen Bereichen und tragen damit wesentlich zum Zusammenhalt unserer Gemeinschaft bei.

2. Würden Sie sich als Feministin bezeichnen?

Ich teile die Ziele des Feminismus im Hinblick auf die Gleichberechtigung und die Wahrung von Menschenwürde, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen sowie die klare Haltung gegen Sexismus. Ost- und Westdeutschland haben unterschiedliche Geschichten des Feminismus geschrieben. Ich denke, dass die Leistungen der Feministinnen in der Bürgerrechtsbewegung in Ostdeutschland die gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Gleichberechtigung, Freiheitsrechten und Menschenwürde zeigen. Nur eine Gesellschaft, in der wirklich alle Menschen frei und gleich sind, ist eine demokratische und gerechte Gesellschaft. Wenn man Feminismus so definiert, kann ich sagen: Natürlich bin ich Feministin.

3. Was ist Ihr Vorschlag im Kampf gegen Frauenarmut?

Das wirksamste Mittel gegen Armut ist gut bezahlte Arbeit. Das klingt so einfach. Und doch arbeiten immer noch mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Z.B. leisten Frauen überwiegend die Pflegearbeit in der Familie. Mit den Pflegestärkungsgesetzen wurde daher auch die Anerkennung dieser Arbeit für die Rente verbessert. Außerdem wollen wir das Teilzeitrecht verbessern, insbesondere um die Rückkehrrechte der Beschäftigten in Vollzeit zu stärken. Ein erster Gesetzentwurf hierzu ist leider am Widerstand der Union gescheitert.

Frauen sind bereits heute gut ausgebildet. 51 % haben einen Hochschulabschluss. Dennoch werden wir auch im Bildungsbereich weiter an der Gleichberechtigung bei der Bezahlung arbeiten. Frauen arbeiten häufiger in Sozialen und Gesundheitsberufe. Diese Branchen sind in der Regel schlechter bezahlt als die sog. MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).Ich möchte junge Menschen motivieren, diese Geschlechterklischees zu überwinden.

Wir wollen eine Quotenregelung für Frauen in Führungspositionen durchsetzen, bislang gilt das nur für große DAX-Konzerne, um den Zugang von Frauen zu den besser bezahlten Berufen zu sichern. Denn das Ziel der Verbesserungen bei der Lohngleichheit wollen wir auf verschiedene Wege weiterverfolgen.

Letztlich sollen Frauen auch deshalb gleichgut verdienen, weil nur das für eine gute Versorgung im Alter sorgt. Dennoch wollen wir, dass niemand mit geringem Einkommen Sorgen um die Rente hat. Deshalb wollen wir eine Solidarrente einführen.

4. Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste frauenpolitische Meilenstein der letzten Jahre?

Noch immer werden Frauen und Männer für die gleiche Arbeit nicht gleich bezahlt.
Deshalb war für mich unser Entgeltgleichheitsgesetz ein sehr wichtiges Gesetz, um die Lohnun-gleichheit zwischen Männern und Frauen zu beenden.

Historisch gesehen war die Einführung des Wahlrechtes für Frauen der entscheidende Durchbruch für die Gleichberechtigung. Nur wenn Frauen an politischen Entscheidungen teilnehmen und vor allen Dingen auch selber als Kandidatinnen antreten können, werden die Interessen von Frauen richtig vertreten. In Deutschland konnten Frauen 1919 zum ersten Mal wählen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass erst 2015 das letzte Land der Welt das Frauenwahlrecht eingeführt hat.
Deshalb sollten Frauen auch von diesem Recht Gebrauch machen.

Bitte gehen Sie am 24. September 2017 wählen!

Kontakt
www.marina-kermer.de

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